Wiligartaburg
Wiligartaburg
Lage
Die Wiligartaburg (230 m ü. NHN) liegt 2,2 km nordöstlich von Wilgartswiesen im Pfälzerwald. Der freistehende bis zu 25 m hohe Burgfelsen befindet sich im Südosten des Göckelbergmassives am Nordrand des Queichtales. Die Taleinschnitte westlich und östlich des Felsriffes führen in das Bergmassiv. In diesen Tälern liegen auch Quellen, die für die Wasserversorgung der Burg von Bedeutung waren. Südlich des Burgfelsen verlief die Salzstraße von Lothringen in die Rheinebene.
- Koordinaten: 49.22466, 7.90063 (WGS84)
Forschungsgeschichte
Die Wiligartaburg, deren ursprünglicher Name nicht bekannt ist, wird seit dem 19. Jahrhundert mit der fränkischen adligen Wiligarta aus dem Geschlecht der Widonen in Verbindung gebracht. Die Widonen hatten seit dem 8. Jahrhundert Besitzungen im heutigen Pfälzerwald. Eine erste Beschreibung der Burg verdanken wir Christian Mehlis, dem Nestor der pfälzischen Archäologie. 1916 bestieg er mit dem wissenschaftlichen Ausschuß des Pfälzerwald-Vereines den Burgfelsen. Erste archäologische Untersuchungen unternahm von 1971 bis 1974 Walter Ehescheid. Bereits nach den ersten Grabungen stelle der die Wiligartaburgkeramik der Öffentlichkeit vor. Die Wiligartaburgkeramik zeichnet sich durch verkröpfte Randprofile aus, die meist nach innen abgestrichen sind. Auf der Innenseite zeigen die Randformen eine Kehle, die an einen Deckelfalz erinnert. Die Gefäße besitzen zum Teil Wackelböden und sind der Älteren gelben Drehscheibenware zuzuordnen. Walter Ehescheid und Kurt Böhner gingen ursprünglich von einer karolingerzeitlichen Datierung der Keramik aus, die auch in Verbindung mit dem alten widonischen Besitz um Wilgartswiesen gesehen wurde. Da die Wiligartaburgkeramik mittlerweile auch von anderen hochmittelalterlichen Burgen vorliegt, wurde sie in das 11. und 12. Jahrhundert eingeordnet. Umstritten ist die Anfangsdatierung der Wiligartaburgkeramik, die gegenwärtig im 10. Jahrhundert gesehen wird. Weitere Grabungen erfolgten mit Alfons Rohner und später mit Jochen Braselmann und Peter Dienes.
Burganlage
Die Burg befand sich auf mehreren Plateaus auf dem Burgfelsen. Bearbeitungsspuren am Fuße des Felsen deuten auf Anbauten hin, die möglicherweise als Stallungen dienten. Während der erste Aufgang von Süden über eine Holztreppe auf den Burgfelsen führte, wurde der spätere Aufgang auf der Ostseite aus dem Felsen herausgearbeitet. Dieser Aufstieg wird durch einen aus dem Fels gehauenen Graben gesichert. Bei den archäologischen Untersuchungen von Ehescheid konnten Holzbauphasen und Steinbauten nachgewiesen werden. Lange war umstritten, ob eine Holzbauphase der Steinphase vorausging oder ob eine Mischbauweise vorlag. Die Untersuchungen zeigten, dass sich unter den Mauerbetten der Steingebäude und Mauern ältere abgearbeitete Pfostenlöcher befinden. Nach diesen Befunden ist davon auszugehen, dass die Holzbauweise dem Steinausbau vorausging. Während des Steinausbaues wurde ein Teil der Holzbebauung erneuert, sodass in dieser Phase von einer Mischbauweise gesprochen werden kann. Bedeutsam ist der Saalbau (20 x 9 m) auf dem nördlichen Plateau mit einer Mauerstärke von bis zu 1,8 m. Ein Eckquader und das Mauerwerkes im Nordbereich werden in die salische Zeit eingeordnet. Aufgrund des mittelalterlichen Fundmaterials wird die Burg in die Zeit vom 10. bis ins 13./14. Jahrhundert datiert, womit die Wiligartaburg zu den ältesten Felsenburgen gezählt werden kann.
Literaturhinweise
- Ehescheid 1973: W. Ehescheid, Wer lebte auf der Wiligartaburg? In: Heimatkalender 1973 für das Pirmasenser und Zweibrücker Land, S. 148-151.
- Ehescheid 1974: W. Ehescheid, Die „Wiligartaburg“ – ein karolingischer Herrensitz. In: Pfälzer Heimat, Nr. 4 1974, S. 121-122.
- Ehescheid/Rohner 1983: W. Ehescheid/A. Rohner, Abschied von der Wiligartaburg. In: Heimatkalender 1983 für das Pirmasenser und Zweibrücker Land, S. 170-174.
- Ehescheid 1984: W. Ehescheid, Die Wiligartaburg bei Wilgartswiesen, Wilgartswiesen 1984.
- Ehescheid 2000: W. Ehescheid, Die Wiligartaburg – das Alte Schloß bei Wilgartswiesen. In: Übel, Rolf, Falkenburg. Wiligartaburg bei Wilgartswiesen Kreis Südwestpfalz, Landau in der Pfalz 2000, S. 53-68.
- Ehescheid/Braselmann 2003: W. Ehescheid/J. Braselmann, Die Wiligartaburg – Neue Beobachtungen am Alten Schloss bei Wilgartswiesen. In: H. Bernhard Hrsg. Archäologie in der Pfalz. Jahresbericht 2001,Rahden/Westf. 2003 S. 257-662.
- Ehescheid 2008: W. Ehescheid, Die Wiligartaburg bei Wilgartswiesen, 2. erweiterte Auflage, Wilgartswiesen.
- Ehescheid 2008 a: W. Ehescheid, Wiligartaburg. In: J. Keddigkeit u.a. Hrsg., Pfälzisches Burgenlexikon Band V.2, Kaiserslautern, S. 334-340.
- Mehlis 1916: C. Mehlis, Die Wiligartisburg im Wasgau. Ein Beitrag zum Werdegang der Burgen im Pfälzerwalde, Kaiserslautern.