Bayreuth
Bayreuth wird 1194 als „baierrute“ erstmals urkundlich erwähnt und 1231 als „civitas“ (Stadt) bezeichnet. Die Stadt wurde in den Hussitenkriegen 1430 verwüstet.
Forschungsgeschichte
Hochmittelalterliches Fundmaterial aus Bayreuth wurde von Hans Losert (1993) vorgelegt. Eine wichtige Fundstelle ist eine 1980/81 ergrabene Burganlage (Laineck, "Burgflur"), die ins 10. Jahrhundert datiert wird, von der aber auch einzelne frühmittelalterliche Scherben stammen. Die Fundstelle Meyernsberg repräsentierte ein vorstädtisches Siedlungsareal, aus der insbesondere nachgedrehte Keramik vorliegt. Die Grabung Alte Lateinschule 1989/90 gab Anlass zu einer Definition von Warenarten (s.u.) und begleitenden Dünnschliffanalysen (Müller 1996). Aus dem Stadtbereich konnte Losert 1993 nur Lesefunde von der Stadtkirche nennen. Von Bedeutung für die Kenntnis der spätmittelalterlichen Keramik aus der Region ist daher die Aufarbeitung einer Grabung in der ehemaligen Schmiedegasse durch Andrea Bischof (2010).
Fundstellen
- Burg Laineck (Losert 1993, S. 129)
- Meyernberg: Lesefunde aus dem Bereich der Vorgängersiedlung Altstadt (Losert 1993, S. 129)
- Stadtkirche (Losert 1993, S. 131)
- Kirchplatz 4/ Alte Lateinschule: Grabung 1989/90 (Müller 1996)
- Schmiedegasse (Bischof 2010)
Keramikfunde
Jakob Müller differenzierte 1996 anhand der Funde aus der Alten Lateinschule:
- Ware A: reduzierend gebrannte Ware, zumindest teilweise wohl Drehscheibenware
- Ware B: weiße Drehscheibenware
- Ware C: weiße Drehscheibenware mit grauer Oberfläche
- Ware D: Drehscheibenware mit Aschenanflugglasur
- Ware E: außen glasierte Drehscheibenware
- Ware F: glimmergemagerte Drehscheibenware
- Ware G: feine weiße Drehscheibenware
- Ware H: feine graue Drehscheibenware
- Ware I: feine Drehscheibenware mit gelber oder oranger Aschenanflugglasur
- Ware J: feine Drehscheibenware mit braun-violetter Sinterengobe
- Steinzeug
Eine weitere umfassende Keramikbearbeitung liegt von Andrea Bsichof aus der ehemaligen Schmiedegasse vor (Bischof 2010). Sie unterschied ebenfalls Warenarten A-J, die sie jedoch völlig anders definierte.
- Warenart A: Reduzierend gebrannte, mittelgrob bis fein gemagerte, sandige Ware.
- Waranart B: Oxidierend gebrannte, rauwandige Ware
- Warenart B 1: gröbere Variante Warenart
- Warenart B 2: Feinere Variante
- Warenart B1/2: Mischform.
- Warenart C: Oxidierend gebrannte, mittelgrob gemagerte Ware mit schwarzer Oberfläche und hellem Kern
- Warenart D: Reduzierend gebrannte, mittelgrob bis fein gemagerte Ware
- Warenart E: Reduzierend gebrannte, stark glimmerhaltige, rauwandige Ware
- Warenart F: Oxidierend/reduzierend gebrannte grau-blaue, mittelgrobe dichte Ware.
- Warenart G: Weiße bis elfenbeinfarbene Feinware - weiße bis elfenbeinfarbene Feinware (Oberpfalz(Bischof 2010)
- Warenart H: Weiße bis elfenbeinfarbene Feinware mit grüner Glasur.
- Warenart I: Graue Feinware, teilweise mit anthrazitfarbener Oberfläche
- Warenart J: Faststeinzeug
Hinzu kommen Neuzeitliche Keramik, Sonder- und Baukeramik.
Sowohl bei Jakob als auch bei Bischof sind die "Waren" bzw. "Warenarten" methodologisch als deskriptive Materialgruppen aufzufassen.
ansonsten u.a.:
- Goldglimmerware: wenige Scherben von Bayreuth, Laineck (Losert 1993, 129)
Literaturhinweise
- Bischof 2010: A. Bischof, Ein spätmittelalterlicher Brunnen aus Bayreuth. Ergebnisse einer archäologischen Ausgrabung an der ehemaligen Schmiedegasse nahe der Stadtmauer. Arb. Arch. Süddeutschl. 23 (Büchenbach 2010).
- Losert 1993: Hans Losert, Die früh- bis hochmittelalterliche Keramik in Oberfranken. Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters. Beiheft 8 (Köln 1993). - ISBN: 9783792713235.
- Müller 1996: J. Müller, Schulmeister und Knochenschnitzer. Archäologische Ausgrabungen in Bayreuth. Kultur- und Lebensformen in Mittelalter und Neuzeit 2 (Bamberg 1996). - ISBN: 3931278018