Wiesloch: Unterschied zwischen den Versionen

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==Ortsgeschichte==
 
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An der rechtsrheinischen Rheintalstraße entwickelte sich in römischer Zeit etwa 2 km westlich der späteren Stadt ein Vicus mit wirtschaftlichen Aktivitäten im Bergbau und mit einer Keramikproduktion (Hensen 1999).
Aus Wiesloch sind mehrere Bestattungsplätze der Merowingerzeit bekannt. Das Dorf entwickelte sich zu einem frühen Markt, wurde aber erst im 20. Jahrhundert zur Stadt erhoben.
 
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Der Vicus wurde im späten 3. Jahrhundert aufgegeben, doch wurde der Randbereich des Vicus im Gewann Hoschket im 6. oder spätestens 7. Jahrhundert erneut besiedelt. Im späten 9. bis 10. Jahrhundert lag hier eine Töpferei, in der auch die [[Wieslocher Ware]] produziert wurde. Eine generelle Siedlungskontinuität wird durch einen Grabfund mit [[Terra Nigra]]-Gefäßbeigaben des 4. Jh. nahe gelegt.
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Aus Wiesloch sind mehrere Bestattungsplätze der Merowingerzeit bekannt, zudem sind früh- und hochmittelalterliche Siedlungsfunde bekannt, die mehrere Siedlungskerne zeigen. Die erste schriftliche Erwähnung liegt durch eine Schenkung an das Kloster Lorsch aus dem Jahr 801, der eine ganze Reihe weiterer folgten.
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Das Dorf entwickelte sich zu einem frühen Markt, dessen Rechte bereits 965 durch Otto I verliehen wurden (MGH SS21,S.392). Das damalige Siedlungszentrum lag wohl südlich der späteren Stadt, wo zahlreiche Handwerksbefunde, v.a. vom Bergbau gefunden wurden.
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1288 ist in einer Urkunde des Pfalzgrafen bei Rhein, Ludwig II. von "castrum et civitatem sive opidum in Wezzinlohe et villam sub eodem castro sitam" die Rede (A. Koch/E. Winkelmann, Eduard [Hrsg.], Regesten der Pfalzgrafen am Rhein 1214 - 1508 (Band 1): 1214 - 1400 (Innsbruck 1894) - DOI https://doi.org/10.11588/diglit.2356#0086 ).
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Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Wiesloch 1689 von französischen Truppen eingenommen und fast völlig niedergebrannt.
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Im östlichen Teil der Gemarkung liegt eine mächtige Decke aus Jüngerem Löss und Lösslehm, die auch gute Töpfertone bietet, die im 19. Jahrhundert zur Ansiedlung der Thonwaren-Industrie Wiesloch GmbH führten.
 
Im östlichen Teil der Gemarkung liegt eine mächtige Decke aus Jüngerem Löss und Lösslehm, die auch gute Töpfertone bietet, die im 19. Jahrhundert zur Ansiedlung der Thonwaren-Industrie Wiesloch GmbH führten.
   
==Befundsituation==
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==Fundstellen/ Befundsituation==
*Kurpfalzhof 54: 1975 wurde ein Töpferofen angeschnitten und untersucht. Die Fundstelle liegt am westlichen Ortsrand. Es wurde ein stehendr Ofen mit Lochtenne ausgegraben.
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*Kurpfalzhof 54: 1975 wurde ein Töpferofen angeschnitten und untersucht. Die Fundstelle liegt am westlichen Ortsrand. Es wurde ein stehender Ofen mit Lochtenne ausgegraben. - karol.-otton. (Heukemes/Gross 1983; Weiser 2003, 174f.)
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*Wiesloch, Alte Heerstraße 4 (Hildebrandt/ Gross 1995; Fundber. Bad.-Württ. 22/2, 1998, 287; Weiser 2003, 175)
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*Wüstung Frauweiler (Fundber. Bad.-Württ. 22/2, 1998, 287 (Nr. 2); Gross 2013)
   
 
==Keramikfunde==
 
==Keramikfunde==
 
Das aus dem Töpferofen am Kurpfalzhof geborgene Fundmaterial ist namengebend für die [[Wieslocher Ware]].
   
 
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Das gaus dem Töpferpófen am Kurpfalzhof eborgene Fundmaterial ist namengebend für die [[Wieslocher Ware]].
 
 
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==Literatur zur Fundstelle==
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*Gross 2013: U. Gross, Funde aus der Wüstung Frauenweiler auf Gemarkung Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. Anmerkungen zum keramischen Formenschatz spätmittelalterlicher ländlicher Siedlungen im Rhein-Neckar-Raum. Fundber. Bad.-Württ. 33, 2013, 629–660.
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*Hensen 1999: Andreas Hensen: Der römische Vicus von Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis). British Archeological Reports, International Series 783 (Oxford 1999).
 
*Heukemes/Gross 1983: B. Heukemes/U. Gross, Ein Töpferofen der 'älteren gelbtonigen Drehscheibenware aus Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. In: Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 8 (Tübingen 1983) 301–318.
 
*Heukemes/Gross 1983: B. Heukemes/U. Gross, Ein Töpferofen der 'älteren gelbtonigen Drehscheibenware aus Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. In: Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 8 (Tübingen 1983) 301–318.
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*Hildebrandt 1997: L. H. Hildebrandt, Archäologische Funde aus Alt-Wiesloch, Baiertal und Nußloch und deren Einbindung in die mittelalterliche Ortsgeschichte. In: L. H. Hildebrandt (Hrsg.), Archäologie und Wüstungsforschung im Kraichgau. Heimatver. Kraichgau Sonderveröff. Nr. 18 (Ubstadt-Weiher 1997) 223–254.
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*Hildebrandt 2001: L. H. Hildebrandt, Mittelalterliche Urkunden über Wiesloch und Walldorf, und die Ortsteile Alt-Wiesloch, Baiertal, Frauenweiler, Hohenhardt und Schatthausen, sowie der Herren von Hohenhart, von Schadehusen, von Walldorf und von Wissenloch (Ubstadt-Weiher 2001).
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*Hildebrandt / Gross 1990: L. H. Hildebrandt / U. Gross, Frühmittelalterliche Siedlungsspuren in Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 1989, 1990, 274–276.
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*Hildebrandt / Gross 1996: L. H. Hildebrandt / U. Gross, Ein frühmittelalterlicher Töpferofen aus Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 1995, 1996, 312–315.
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*Kurz 2017: M. Kurz, Wiesloch – ein Streifzug durch die Geschichte. Badische Heimat 3, 2017, 327-340.
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*Wahle 1927: E. Wahle, Frühgermanischer Grabfund aus Wiesloch. Bad. Fundber. 9, 1927, 282–283. DOI: https://doi.org/10.11588/diglit.27168.74
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*Weiser 2003: B. Weiser, Töpferöfen von 500 bis 1500 n.Chr. im deutschsprachigen Raum und in angrenzenden Gebieten. Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters Beiheft 15 (Bonn 2003).
   
 
==Links==
 
==Links==

Aktuelle Version vom 17. August 2026, 19:54 Uhr

Wiesloch liegt in der fruchtbaren, früh besiedelten Region des Kraichgau.

Ortsgeschichte

An der rechtsrheinischen Rheintalstraße entwickelte sich in römischer Zeit etwa 2 km westlich der späteren Stadt ein Vicus mit wirtschaftlichen Aktivitäten im Bergbau und mit einer Keramikproduktion (Hensen 1999). Der Vicus wurde im späten 3. Jahrhundert aufgegeben, doch wurde der Randbereich des Vicus im Gewann Hoschket im 6. oder spätestens 7. Jahrhundert erneut besiedelt. Im späten 9. bis 10. Jahrhundert lag hier eine Töpferei, in der auch die Wieslocher Ware produziert wurde. Eine generelle Siedlungskontinuität wird durch einen Grabfund mit Terra Nigra-Gefäßbeigaben des 4. Jh. nahe gelegt.

Aus Wiesloch sind mehrere Bestattungsplätze der Merowingerzeit bekannt, zudem sind früh- und hochmittelalterliche Siedlungsfunde bekannt, die mehrere Siedlungskerne zeigen. Die erste schriftliche Erwähnung liegt durch eine Schenkung an das Kloster Lorsch aus dem Jahr 801, der eine ganze Reihe weiterer folgten.

Das Dorf entwickelte sich zu einem frühen Markt, dessen Rechte bereits 965 durch Otto I verliehen wurden (MGH SS21,S.392). Das damalige Siedlungszentrum lag wohl südlich der späteren Stadt, wo zahlreiche Handwerksbefunde, v.a. vom Bergbau gefunden wurden.

1288 ist in einer Urkunde des Pfalzgrafen bei Rhein, Ludwig II. von "castrum et civitatem sive opidum in Wezzinlohe et villam sub eodem castro sitam" die Rede (A. Koch/E. Winkelmann, Eduard [Hrsg.], Regesten der Pfalzgrafen am Rhein 1214 - 1508 (Band 1): 1214 - 1400 (Innsbruck 1894) - DOI https://doi.org/10.11588/diglit.2356#0086 ). Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Wiesloch 1689 von französischen Truppen eingenommen und fast völlig niedergebrannt.


Im östlichen Teil der Gemarkung liegt eine mächtige Decke aus Jüngerem Löss und Lösslehm, die auch gute Töpfertone bietet, die im 19. Jahrhundert zur Ansiedlung der Thonwaren-Industrie Wiesloch GmbH führten.

Fundstellen/ Befundsituation

  • Kurpfalzhof 54: 1975 wurde ein Töpferofen angeschnitten und untersucht. Die Fundstelle liegt am westlichen Ortsrand. Es wurde ein stehender Ofen mit Lochtenne ausgegraben. - karol.-otton. (Heukemes/Gross 1983; Weiser 2003, 174f.)
  • Wiesloch, Alte Heerstraße 4 (Hildebrandt/ Gross 1995; Fundber. Bad.-Württ. 22/2, 1998, 287; Weiser 2003, 175)
  • Wüstung Frauweiler (Fundber. Bad.-Württ. 22/2, 1998, 287 (Nr. 2); Gross 2013)

Keramikfunde

Das aus dem Töpferofen am Kurpfalzhof geborgene Fundmaterial ist namengebend für die Wieslocher Ware.

Funde aus dem Töpferofen von Wiesloch

Literatur

  • Gross 2013: U. Gross, Funde aus der Wüstung Frauenweiler auf Gemarkung Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. Anmerkungen zum keramischen Formenschatz spätmittelalterlicher ländlicher Siedlungen im Rhein-Neckar-Raum. Fundber. Bad.-Württ. 33, 2013, 629–660.
  • Hensen 1999: Andreas Hensen: Der römische Vicus von Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis). British Archeological Reports, International Series 783 (Oxford 1999).
  • Heukemes/Gross 1983: B. Heukemes/U. Gross, Ein Töpferofen der 'älteren gelbtonigen Drehscheibenware aus Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. In: Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 8 (Tübingen 1983) 301–318.
  • Hildebrandt 1997: L. H. Hildebrandt, Archäologische Funde aus Alt-Wiesloch, Baiertal und Nußloch und deren Einbindung in die mittelalterliche Ortsgeschichte. In: L. H. Hildebrandt (Hrsg.), Archäologie und Wüstungsforschung im Kraichgau. Heimatver. Kraichgau Sonderveröff. Nr. 18 (Ubstadt-Weiher 1997) 223–254.
  • Hildebrandt 2001: L. H. Hildebrandt, Mittelalterliche Urkunden über Wiesloch und Walldorf, und die Ortsteile Alt-Wiesloch, Baiertal, Frauenweiler, Hohenhardt und Schatthausen, sowie der Herren von Hohenhart, von Schadehusen, von Walldorf und von Wissenloch (Ubstadt-Weiher 2001).
  • Hildebrandt / Gross 1990: L. H. Hildebrandt / U. Gross, Frühmittelalterliche Siedlungsspuren in Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 1989, 1990, 274–276.
  • Hildebrandt / Gross 1996: L. H. Hildebrandt / U. Gross, Ein frühmittelalterlicher Töpferofen aus Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 1995, 1996, 312–315.
  • Kurz 2017: M. Kurz, Wiesloch – ein Streifzug durch die Geschichte. Badische Heimat 3, 2017, 327-340.
  • Wahle 1927: E. Wahle, Frühgermanischer Grabfund aus Wiesloch. Bad. Fundber. 9, 1927, 282–283. DOI: https://doi.org/10.11588/diglit.27168.74
  • Weiser 2003: B. Weiser, Töpferöfen von 500 bis 1500 n.Chr. im deutschsprachigen Raum und in angrenzenden Gebieten. Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters Beiheft 15 (Bonn 2003).

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