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+ | Karl Hammel gliederte die keramischen Funde in frühgotisches, spätromanisches und frühstaufisches Material. Letztere verglich Hammel mit den "spätsalischen" Funden aus der Siedlung [[Merdingen, am Breisacher Weg]]. |
Da Hammels Keramikbearbeitung eine der ersten systematischen Analysen eines Fundkomplexes darstellte, konnte er auf keine etablierte Randformentypologie zurückgreifen. Er orientierte sich dabei an den aus den Befunden erschlossenen Bauphasen, ohne dass das Fundmaterial jedoch stratigraphische Informationen aufweist. |
Da Hammels Keramikbearbeitung eine der ersten systematischen Analysen eines Fundkomplexes darstellte, konnte er auf keine etablierte Randformentypologie zurückgreifen. Er orientierte sich dabei an den aus den Befunden erschlossenen Bauphasen, ohne dass das Fundmaterial jedoch stratigraphische Informationen aufweist. |
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Version vom 7. Juni 2026, 18:41 Uhr
Seelbach (Ortenaukreis)
Burg Lützelhardt
Die Keramikfunde der Burg Lützelhardt zählen zu den frühen wissenschaftlich ausgewerteten Fundbeständen in Südwestdeutschland. Sie gehen auf Ausgrabungen der Jahre 1926-29 durch den Schwarzwaldverein zurück, die Karl Hammel leitete (Hammel 1931).
Lage
Die Burg liegt östlich oberhalb der Ortschaft Seelbach im Schuttertal, ca. 6,3 km SO Lahr im Schwarzwald und 36 km NNO von Freiburg im Breisgau.
- Koordinaten: 7,9530 48,3157
Ortsgeschichte und historischer Hintergrund
Im frühen 12. Jahrhundert finden in den Quellen von St. Peter im Schwarzwald die Herren von Lützelhardt ihre erste Erwähnung. Sie waren zunächst wohl Ministeriale der Zähringer, treten aber auch als staufische Ministeriale in Italien auf. Die hauptsächlichen Burgreste datieren ins 13. Jahrhundert, von einer älteren Anlage sind nur im Bereich der Hauptburg im Osten sprliche Reste vorhanden, die bei den Ausgrabungen unter dem Fußboden der zweiten Phase erfasst wurden. Der Ausgräber der Burg, Karl Hammel, vermutete einen Zusammenhang der Reste mit den Ungarneinfällen. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert wohl durch das benachbarte Adelsgeschlecht der Geroldsecker zerstört, wobei verschiedene Datierungen möglich sind, nämlich entweder 1235, 1255/57 oder 1261-71. Die Grabungsbefunde sprechen für eine systenatische Zerstörung der Burg (Hammel 1934, 520).
Forschungsgeschichte
1926-29 wurden auf der Burg archäologische Ausgrabungen durchgeführt, wobei man von der Annahme ausging, eine Anlage des frühen Mittelalters zu untersuchen. Initiator war der Schwarzwaldverein, der auch hete noch für die Pflege der Ruine zuständig ist und zuletzt 2008-2010 umfangreiche Mauersanierungen durchgeführt hat. Die Grabungsleitung hatte Karl Hammel, der insbesondere die Keramikfunde vorlegte (Hammel 1951), wobei er auf deren Bedeutung für die Datierung abhob. Inzwischen hatte sich das Bild durchgesetzt, dass mit der Burg Lützlhardt eine nur relativ kurz, in der ersten Hälfte des 13, Jahrhunderts genutzte Burgananlage zu fassen sei. Die Ausgrabungen konzentrierten sich auf die Hauptburg.
Hammel war damit der Experte für mittelalterliche Keramik, den man auch für die Grabungen in Merdingen, am Breisacher Weg heranzog (Garscha u. a. 1948-50).
Nach den Ausgrabungen wurden stark rekonstruierende Sanierungen vorgenommen, die das heutige Bild der Anlage prägen.
Die Funde gelangten als Leihgabe in das Stadtmuseum nach Lahr. Nach einer Restaurierung sind sie seit 2018 im Rathaus in Seelbach ausgestellt, nachdem der Schwarzwaldverein sich auch mit Restaurierungen erneut der Burg Lützelhardt angenommen hat.
Keramikfunde
Karl Hammel gliederte die keramischen Funde in frühgotisches, spätromanisches und frühstaufisches Material. Letztere verglich Hammel mit den "spätsalischen" Funden aus der Siedlung Merdingen, am Breisacher Weg.
Da Hammels Keramikbearbeitung eine der ersten systematischen Analysen eines Fundkomplexes darstellte, konnte er auf keine etablierte Randformentypologie zurückgreifen. Er orientierte sich dabei an den aus den Befunden erschlossenen Bauphasen, ohne dass das Fundmaterial jedoch stratigraphische Informationen aufweist.
Für seine Untersuchungen der mittelalterlichen Keramik sichtete Uwe Lobbedey das damals im Stadtmuseum Lahr befindliche Fundmaterial, ohne es erneut zu dokumentieren. Nur Teile der Funde waren dabei auffindbar. Einige der Funde konnte Lobbedey jedoch der nachgedrehten Keramik (evtl. Glimmerhaltige nachgedrehte Ware (Oberrhein, FMa/ HMa)?), der jüngeren Drehscheibenware und der steinzeugartig hartgebrannten n zuweisen. E Er charakterisiert die nachgedrehte Ware als "kräfig mit mittelfeinem, in einigen Fällen auch mit grobem Sand gemagert", die auch Goldglimmer enthält und
Sonderstücke
Unter den Keramikfunden ist ein fast vollständiges Gefäß aus der Zisterne der Hauptburg hervorzuheben. Es handelt sich um eine graubraune Doppelösenflasche.
Zu nennen sind auch die Fragmente eines stempelverzierten Signalhorns mit rotem Scherben (Hammel 1951, 94).
Verbleib
- Rathaus Seelbach (ehem. Mus. Lahr)<ref>https://www.badische-zeitung.de/lahr-gibt-zurueck-was-seelbach-gehoert--159737204.html Lahr gibt zurück, was Seelbach gehört . Badische Zeitung 16.11.2018</ref>
- z.T. verschollen,
Literaturhinweise
- Garscha u. a. 1948-50: F. Garscha/K. Hammel/W. Kimmig u. a., Eine Dorfanlage des frühen Mittelalters bei Merdingen (Ldkr. Freiburg). Bad. Fundber. 18, 1948-50, 137–183.
- Hammel 1934: Karl Hammel: Lützelhardt. Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden, 21, 1934, S. 511–526 <http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1934/0578>.
- Hammel 1951: K. Hammel, Burgruine Lützelhardt bei Seelbach, Landkreis Lahr. Ein Beitrag zur Datierung mittelalterlicher Keramik. Bad. Fundber. 19, 1951, 87–99.
- Die ältesten Güterverzeichnisse des Klosters Sankt Peter im Schwarzwald: der Rotulus Sanpetrinus und Fragmente eines Liber monasterii sancti Petri, bearb. von Jutta Krimm-Beumann. Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg A, 54 (Stuttgart 2011)
- Lobbedey 1968: U. Lobbedey, Untersuchungen mittelalterlicher Keramik vornehmlich in Südwestdeutschland. Arb. Frühmittelalterforsch. 3 (Berlin 1968) bes. S. 145-147.