Burg Lützelhardt
Seelbach (Ortenaukreis)
Burg Lützelhardt
Die Keramikfunde der Burg Lützelhardt zählen zu den frühen wissenschaftlich ausgewerteten Fundbeständen in Südwestdeutschland. Sie gehen auf Ausgrabungen der Jahre 1926-29 durch den Schwarzwaldverein zurück, die Karl Hammel leitete (Hammel 1931).
Lage
Die Burg liegt östlich oberhalb der Ortschaft Seelbach im Schuttertal, ca. 6,3 km SO Lahr im Schwarzwald und 36 km NNO von Freiburg im Breisgau.
- Koordinaten: 7,9530 48,3157
Ortsgeschichte und historischer Hintergrund
Seelbach wird 1179 im Besitz des Klosters St. Georgen erstmals erwähnt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die Burg erbaut. Damals lässt sich auch ein Niederadelsgeschlecht von Lützelhardt erfassen. Schon 1257 soll die Burg in einer Fehde mit den in der Nachbarschaft ansässigen Geroldseckern zerstört worden sein.
Forschungsgeschichte
1925-29 fanden Ausgrabungen durch den Schwarzwaldverein unter der Leitung von Karl Hammel statt, der die Funde publizierte (Hammel 1951). Hammel war damit der Experte für mittelalterliche Keramik, den man auch für die Grabungen in Merdingen, am Breisacher Weg heranzog (Garscha u. a. 1948-50). Die Funde gelangten als Leihgabe in das Stadtmuseum nach Lahr. Nach einer Restaurierung sind sie seit 2018 im Rathaus in Seelbach ausgestellt, nachdem der Schwarzwaldverein sich auch mit Restaurierungen erneut der Burg Lützelhardt angenommen hat.
Keramikfunde
Karl Hammel gliederte die keramischen Funde in frühgotisches, spätromanisches und frühstaufisches Material. Letztere verglich Hammel mit den "spätsalischen" Funden aus der Siedlung Merdingen, Breisacher Weg.
Da Hammels Keramikbearbeitung eine der ersten systematischen Analysen eines Fundkomplexes darstellte, konnte er auf keine etablierte Randformentypologie zurückgreifen. Er orientierte sich dabei an den aus den Befunden erschlossenen Bauphasen, ohne dass das Fundmaterial jedoch stratigraphische Informationen aufweist.
Für seine Untersuchungen der mittelalterlichen Keramik sichtete Uwe Lobbedey das damals im Stadtmuseum Lahr befindliche Fundmaterial, ohne es erneut zu dokumentieren. Nur Teile der Funde waren dabei auffindbar. Einige der Funde konnte Lobbedey jedoch der nachgedrehten Keramik (evtl. Glimmerhaltige nachgedrehte Ware (Oberrhein, FMa/ HMa)?), der jüngeren Drehscheibenware und der steinzeugartig hartgebrannten n zuweisen. E Er charakterisiert die nachgedrehte Ware als "kräfig mit mittelfeinem, in einigen Fällen auch mit grobem Sand gemagert", die auch Goldglimmer enthält und
Sonderstücke
Unter den Keramikfunden ist ein fast vollständiges Gefäß aus der Zisterne der Hauptburg hervorzuheben. Es handelt sich um eine graubraune Doppelösenflasche.
Zu nennen sind auch die Fragmente eines stempelverzierten Signalhorns mit rotem Scherben (Hammel 1951, 94).
Verbleib
- Rathaus Seelbach (ehem. Mus. Lahr)<ref>https://www.badische-zeitung.de/lahr-gibt-zurueck-was-seelbach-gehoert--159737204.html Lahr gibt zurück, was Seelbach gehört . Badische Zeitung 16.11.2018</ref>
- z.T. verschollen,
Literaturhinweise
- Garscha u. a. 1948-50: F. Garscha/K. Hammel/W. Kimmig u. a., Eine Dorfanlage des frühen Mittelalters bei Merdingen (Ldkr. Freiburg). Bad. Fundber. 18, 1948-50, 137–183.
- Hammel 1934: Karl Hammel: Lützelhardt. Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden, 21, 1934, S. 511–526 <http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1934/0578>.
- Hammel 1951: K. Hammel, Burgruine Lützelhardt bei Seelbach, Landkreis Lahr. Ein Beitrag zur Datierung mittelalterlicher Keramik. Bad. Fundber. 19, 1951, 87–99.
- Die ältesten Güterverzeichnisse des Klosters Sankt Peter im Schwarzwald: der Rotulus Sanpetrinus und Fragmente eines Liber monasterii sancti Petri, bearb. von Jutta Krimm-Beumann. Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg A, 54 (Stuttgart 2011)
- Lobbedey 1968: U. Lobbedey, Untersuchungen mittelalterlicher Keramik vornehmlich in Südwestdeutschland. Arb. Frühmittelalterforsch. 3 (Berlin 1968) bes. S. 145-147.