Konservierung

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Schadensbilder

Durch die Bodenlagerung können archäologische Keramikfunde verschiedene Schadensbilder aufweisen, die auf Materialeigenschaften und Umweltbedingungen zurückzuführen sind. *Zerbröseln bei unzureichend gebrannter Keramik in feuchten Böden, besonders bei saurem Milieu

  • Erweichen in alkalischen Bereichen durch Herauslösen von Alkalimetallionen
  • Einwachsen von Pflanzenwurzeln in aufgeweichte, poröse Keramik, die diese dann sprengen kann
  • schuppen- oder schalenförmigen Abplatzungen durch die Kristallisation löslicher Salze in den Poren
  • Frostabsprengungen
  • Ablagerungen durch unlösliche Salze wie Calcit und Gips als weißlich-graue Ablagerungen auf der Oberfläche und auf Bruchstellen
  • Braune Verfärbungen durch die Diffusion löslicher Eisensalze in den Scherben
  • Blau-schwarze Verfärbungen durch Eisengerbstoffe (Eisentannate) in stark organogenen Böden
  • mechanischer Bruch durch Pflugeinwirkung

Konservierung

Vor einer Konservierung ist die Reinigung der Funde notwendig.

Reinigung und Erstversorgung

  • Zeitnahe Reinigung: Keramik so schnell wie möglich nach der Ausgrabung reinigen. Trocknende Erde schrumpft und kann Oberflächen (Bemalungen/Glasuren) mit abreißen.
  • Vorsichtige mechanische Reinigung: Vorzugsweise trocken mit einem steifen Pinsel oder einer weichen Bürste säubern.
  • Waschprobe: Bei Zweifeln an der Beständigkeit zunächst an unwichtigen („unspezifischen“) Scherben testen, ob sie Wasser vertragen.
  • Sorgfältige Trocknung: Gewaschene Scherben auf Sieben trocknen lassen.
  • Feuchthaltung bei Salzgehalt: Wenn lösliche Salze vermutet werden, bis zur Werkstattbehandlung entweder die Bodenfeuchtigkeit erhalten oder absolut luftdicht (ggf. mit Silicagel) lagern.
  • Schnelle Sinter-Entfernung: Unlösliche Salze (weißlich-graue Beläge) mechanisch entfernen, solange sie noch feucht sind, bevor sie durch CO₂-Kontakt dauerhaft erhärten.

Zu beachten ist:

  • Kein Wasser für Problemfälle: Ungebrannte, bemalte oder instabile Keramik sowie Funde mit Inhaltsresten dürfen nicht gewaschen werden (Fall für die Restaurierungswerkstatt).
  • Kein Schrubben: Zu intensives Bürsten vermeiden, da es Kanten abrundet und Oberflächenstrukturen zerstört.
  • Vorsicht bei Festigung: Keramik, die bereits gefestigt wurde oder eine Festigung benötigt, darf niemals gewaschen werden.
  • Chemie-Verbot: Chemische Reinigungsmittel (Säuren, Komplexbildner) im Gelände vermeiden, da sie Bestandteile der Keramik und Glasuren angreifen.

Festigung (Konsolidierung)

Festigungen sollten nur vorgenommen werden, wenn Bergung oder Handhabung sonst unmöglich wären (z. B. bei grober Magerung oder Zerfallserscheinungen). Eine Festigung ist grundsätzlich irreversibel und verfälscht spätere Analysen (wie Thermolumineszenz) verfälschen. Die Tränkung führt zu dunklen Verfärbungen oder künstlichem Glanz.

  • Vorreinigung: Erde vor der Festigung entfernen, damit diese nicht mit „eingebacken“ wird.
  • Entsalzung: Sie muss vor der Festigung erfolgen, da Kunstharze die Poren verstopfen und eine spätere Entsalzung fast unmöglich machen.
  • Materialwahl: für erdfeuchte Keramik: Wässrige Dispersionen, Für trockene Keramik: Kunstharzlösungen (z. B. Paraloid B72 oder Mowilith 50), . Dabei ist eine korrekte Dosierung wichtig: Maximale Konzentration von 10 % wählen, damit das Mittel tief eindringt und kein glänzender Oberflächenfilm entsteht. Nach der Festigung das Objekt ggf. mit Folie abdecken, damit das Lösungsmittel langsam verdunstet und das Harz nicht zurück an die Oberfläche wandert.


Spezialbehandlung (Restauratoren vorbehalten)

  • Entsalzung: Das Auswaschen löslicher Salze in destilliertem Wasser durchführen, bis keine Salze mehr austreten.
  • Säurebehandlung: Falls Säuren zur Sinterlösung unumgänglich sind, muss danach intensiv mit mehreren Badwechseln gewässert werden, um neue Kristallisationsschäden zu verhindern.
  • Empfindliche Oberflächen: Schlechte Glasuren oder Bemalungen nur vorsichtig mit einem Wasser-Ethanol-Gemisch abtupfen.

Restaurierung

Zusammensetzungen, Klebungen und Ergänzungen gehen über die reine Konservierung hinaus.

Literaturhinweis

  • Brather 1994: S. Brather, Restaurierung von Keramik. In: J. Biel/D. Klonk (Hrsg.), Handbuch der Grabungstechnik (Stuttgart 1994/1998) Kap. 25.1.
  • Buys 2014: S. Buys, Conservation and Restoration of Ceramics (Hoboken 2014). - ISBN 9780750632195