Kuchen, Burg Spitzenberg: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 11: | Zeile 11: | ||
==Keramikfunde== |
==Keramikfunde== |
||
| − | Die Keramikfunde auf dem Spitzenberg sind durch das Fehlen der im Umland üblichen [[Albware]] gekennzeichnet, wobei die [[ältere gelbe Drehscheibenware]] und nachgedrehte Keramik stark unterrepräsentiert sind. Das Fundspektrum wird stattdessen von der [[jüngeren Drehscheibenware]] in zwei Varianten bestimmt, wobei die dort charakteristischen, schlanken Karniesränder auf eine Datierung in das 14. bis 15. Jahrhundert hinweisen. |
+ | Die Keramikfunde auf dem Spitzenberg sind durch das Fehlen der im Umland üblichen [[Albware]] gekennzeichnet, wobei die [[Ältere gelbe Drehscheibenware (Südwestdeutschland, FMa/HMa)|ältere gelbe Drehscheibenware]] und nachgedrehte Keramik stark unterrepräsentiert sind. Das Fundspektrum wird stattdessen von der [[Jüngere graue Drehscheibenware (Südwestdeutschland, SMa)|jüngeren Drehscheibenware]] in zwei Varianten bestimmt, wobei die dort charakteristischen, schlanken [[Karniesrand|Karniesränder]] auf eine Datierung in das 14. bis 15. Jahrhundert hinweisen. Damit weist das Fundspektrum deutlich über das vermeintliche ende der Burg 1311 hinaus. |
| + | Auffallenderweise fehlen die sogenannten Leistenränder unter den Grabungsfunden völlig, sind aber unter den Lesefunden der Aufsammlung Bizer mit wenigen Scherben belegt. |
||
| + | Einige wenige Scherben gehören zur [[Rotbemalte schwäbische Feinware (Württemberg, SMa)|Buocher Ware]]. |
||
| + | Bemerkenswert sind die Fragmente von einem oder zwei [[Aquamanile|Aquamanilien]] und eines [[Signalhorns]]. |
||
| + | |||
| + | Die vorhandene Ofenkeramik besteht ausschließlich aus [[Becherkachel]]n. |
||
==Verbleib der Funde== |
==Verbleib der Funde== |
||
Version vom 21. Juli 2026, 00:23 Uhr
Lage und Ortsgeschichte
Die Ruine Spitzenberg liegt etwa 1 km westlich von Kuchen auf einem markanten Vorsprung des Albtraufes. Die Anlage zählt neben dem Hohenstaufen und dem Helfenstein zu den wichtigsten Hochadelsburgen im Bereich der mittleren Schwäbischen Alb. Sie war der Stammsitz des Geschlechts der Spitzenberger. Ihr bekanntester Vertreter war der Würzburger Bischof Gottfried von Spitzenberg, der im Juli 1190 während des Kreuzzugs vor Antiochia der Pest erlag. Nach gängiger historischer Auffassung wurde die Burg im Jahr 1311 im Zuge der Kriege der Reichsstädte gegen Württemberg zerstört.
Forschungsgeschichte
Im Frühjahr 1913 fand eine mehrwöchige Grabung im Auftrag der Albvereinsortsgruppe Kuchen statt. Das Ziel war die Erstellung eines Grundrissplanes und einer Rekonstruktionszeichnung. Initiiert wurde das Projekt durch Friedrich Reik (Vertrauensmann des Albvereins Kuchen) und Forstmeister Schultz (Geislingen, ehem. Mitarbeiter der Reichslimeskommission). Die archäologische Durchführung lag bei dem Burgenforscher Konrad Albert Koch. Außer einem kurzen Bericht, eienm groben Burgplan und einer Rekonstruktionszeichnung existieren keine weiteren Unterlagen. Die Grabungskosten (ca. 500 Mark) wurden durch den Schwäbischen Albverein, die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF), Kaufleute der Süddeutschen Baumwollen-Industrie Kuchen sowie Spenden der Bürgerschaft gedeckt. Am 24. Mai 1914 wurde die Ruine nach Konservierungsmaßnahmen mit einem Gartenfest eingeweiht. In den 1930er Jahren sichtete der Ulmer Prähistoriker Dr. Adolf Herrmann das Fundmaterial und erwähnte es in Artikeln zur mittelalterlichen Keramik, verzichtete jedoch auf eine wissenschaftliche Vorlage. Weitere Lesefunde wurden später im Hangschutt der Hauptburg durch Christoph Bizer und Felix Glöckner (im Auftrag der Kreisarchäologie Göppingen) geborgen.
Die Funde im Museum geislingen wurden 1998 durch R. Schreg und A. Kottmann vorgelegt (Schreg/Kottmann 1998).
Keramikfunde
Die Keramikfunde auf dem Spitzenberg sind durch das Fehlen der im Umland üblichen Albware gekennzeichnet, wobei die ältere gelbe Drehscheibenware und nachgedrehte Keramik stark unterrepräsentiert sind. Das Fundspektrum wird stattdessen von der jüngeren Drehscheibenware in zwei Varianten bestimmt, wobei die dort charakteristischen, schlanken Karniesränder auf eine Datierung in das 14. bis 15. Jahrhundert hinweisen. Damit weist das Fundspektrum deutlich über das vermeintliche ende der Burg 1311 hinaus. Auffallenderweise fehlen die sogenannten Leistenränder unter den Grabungsfunden völlig, sind aber unter den Lesefunden der Aufsammlung Bizer mit wenigen Scherben belegt.
Einige wenige Scherben gehören zur Buocher Ware.
Bemerkenswert sind die Fragmente von einem oder zwei Aquamanilien und eines Signalhorns.
Die vorhandene Ofenkeramik besteht ausschließlich aus Becherkacheln.
Verbleib der Funde
- Heimatmuseum Geislingen: Ein Teil der verschollen geglaubten Grabungsfunde von 1913 konnte im Jahr 1993 bei Inventarisierungsarbeiten wiederentdeckt werden.
- Rathaus Kuchen (Verlust): Ein weiterer Teil der Funde lagerte bis in die 1970er Jahre im Rathaus Kuchen und wurde im Zuge eines Umzugs fälschlicherweise entsorgt.
- Kreisarchäologie Göppingen: Die durch Christoph Bizer und Felix Glöckner aufgesammelten Lesefunde aus dem Hangschutt wurden an die Kreisarchäologie übergeben.
Literaturhinweise
- Herrmann 1935: A. Herrmann, Romanische Tongefäße in Schwaben. Praehist. Zeitschr. 20, 1935, 232
- Herrmann 1936: A. Herrmann, Mittelalterliche Tongefäße in Ostschwaben. Schwabenland3 (= Schwäb. Mus. 121, 1936, 153ff.
- Herrmann 1938: A. Herrmann, Schwäbische Tongefäße des frühen Mittelalters. Zeitschr. deutscher Ver. Kunstwiss. 5, 1938, 245.
- Koch 1913: K. A. Koch, Die Burg Spitzenberg bei Kuchen. B1. Schwäb. Albver. 25, 1913, 373-375.
- Kottmann / Schreg 1998: A. Kottmann / R. Schreg, Archäologie und Geschichte der Burg Spitzenberg (Gemeinde Kuchen, Kreis Göppingen). Resumée einer Altgrabung von 1913. Hohenstaufen/Helfenstein. Historisches Jahrbuch für den Kreis Göppingen 8, 1998, 9–54. - https://doi.org/10.17613/fc4tm-mvz33