Marbach am Neckar
Marbach am Neckar (Lkr. Ludwigsburg)
Stadt
Lage und Ortsgeschichte
Marbach am Neckar ist eine Stadt in Baden-Württemberg. Sie liegt am Neckar, etwa 20 Kilometer nördlich von Stuttgart. Marbach wird 972 mit einem Fronhof erstmals erwähnt. Im Jahre 1009 erhielt Marbach das Marktrecht und 1282 ist erstmals das Stadtrecht fassbar. Die vorstädtische Siedlung lag wohl in der Nähe der Alexanderkirche, nordöstlich außerhalb der hochmittelalterlichen Stadt, Gegründet wurde Marbach wohl von den Herzögen von Teck, die die Stadt 1302 jedoch an Württemberg verkauften. 1693 vernichtete ein Stadtbrand unter anderem auch das Archiv der Stadt.
Forschungsgeschichte
Im Vorfeld einer geplanten Neubebauung führte 1979 bis 1982 das damalige Landesdenkmalamt Baden-Württemberg Ausgrabungen in der Südostecke der Stadt durch, wo das Württembergische Schloss und benachbart die Wendelinskapelle liegen. Die Grabungen mit einer umfangreichen Straigraphie sind bisher nicht ausgewertet, doch hat Uwe Gross einzelne Keramikfunde in seiner Dissertation vorgelegt (Gross 1991).
Fundstellen
Burg/ ehem. Schloss
In der Südostecke der Stadt liegt das ehemalige Württembergische Schloss im Bereich der Parzelle 113 ("Föhrsches Anwesen"). Die Grabungen ab 1979 erbrachten Befunde des ehemaligen Schlosses sowie einer Vorgängerbefestigung des 13. Jahrhunderts, der ein Herrenhof des späten 12. Jahrhunderts voraus ging. Nach der Grabung erwarb die Stadt Marbach das Areal und gestatete es nach einem Architektenwettbewerb zu einer stadtgeschichtlichen Anlage, die den Umriß der Umfassungsmauer sowie den Grundriß eines quadratischen Turms inszeniert.
Wendelinskapelle
Die Wendelinskapelle liegt direkt nördlich der Untersuchungen am Schloss, beim Oberen Tor. Sie wurde zwischen 1430 und 1433 anstelle eines Profanbaus erbaut, von dem unter anderem ein Keller erfasst werden konnte. Der im Detail nicht publizierte Befund diente Uwe Gross als Datierungsanhalt für die zeitliche Einordnung glasierter Dreibeinpfannen, die nämlich bereits in einer Siedlungsscbicht auftreten, die dem Bau der Kapelle voraus geht (Gross 1991, 84).
Pfundhaus
Grabungen hinter dem Pfundhaus 2019. Nach Vorbericht (Brenner u.a. 2020) Keramik des 13. Jh., insbesondere Buocher Ware mit Miniaturgefäßen und Pilzkacheln. Herausstechend ist eine (nach Abbildung gelbbraun, nach text transparent) glasierte Miniaturfeldflasche, die der Buocher Ware zugeschrieben wird.
Keramikfunde
Im Keramikfundmaterial des Schlosses ist die Rotbemalte schwäbische Feinware (Württemberg, SMa) von Bedeutung. Sie tritt bereits in den untersten Schichten der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts auf (Gross 1991, 101). Ein großer Teil der rotbemalten Feinware stammt jedoch "aus dem Abbruchschutt des Wehrturms, dürfte demnach dem späten 14. oder dem beginnenden 15. Jahrhundert angehören" (Schäfer 1980,). Es liegen Krüge, Kannen, Leuchter und Miniaturgefäße vor. Bemerkenswert sind Vierpassbecher mit flächigem rotem Überzug.
Unter den Bechern tritt die eher seltene Form mit deutlich abgesetztem Fuß auf (Gross 1991, 96).
Desweiteren:
- glasierte Dreibeinpfanne
Literatur
- Brenner u.a. 2020: D. Brenner/S. Barthel/ M. Maugeri, Eine schweizerische Kachel und schwäbische Feinware - Grabungen an der Marktstra0e in Marbach am Neckar. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 2019, 2020, 257-270,
- Gross 1991: U. Gross, Mittelalterliche Keramik zwischen Neckarmündung und Schwäbischer Alb. Bemerkungen zur räumlichen Entwicklung und zeitlichen Gliederung. Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Bad.-Württ. 12 (Stuttgart 1991). - DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00005858
- Schäfer 1980: H. Schäfer, Burg, Schloss und Stadt Marbach am Neckar. Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 9(2), 1980, 59-69. DOI: https://doi.org/10.11588/nbdpfbw.1980.2.14282