Tonfigur

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Tonfigürchen oder Terrakotten sind eine keramische Sonderform. Immer wieder treten seit dem Frühneolithikum (Höckmann 1965) - ganz abgesehen von den Tonfiguren des Jungpaläolithikums in Mähren - plastische Tonfiguren auf.

Sie sind oft einfach gearbeitet und stilistisch relativ unempfindlich (Wischenbarth 1996). Solche Figürchen sind gelegentlich auch als Appliken an Gefäßen angebracht gewesen. Selbst die im allgemeinen bilderfeindliche Späthallstattzeit kennt Plastiken von Menschen und Tieren, so die Pferdefigürchen von Zainingen (Zürn 1957. - Torbrügge 1974; Wamser 1980).

Zu nennen sind weiter die aus Modeln gearbeiteten - im Limesgebiet eher seltenen - Terrakottafiguren der provinzialrömischen Zeit, die neben Gottheiten beispielsweise auch Pferde- oder Hundefiguren umfassen

Tonfigürchen/Terrakotten. A Bandkeramik: 1,2 Stuttgart-Mühlhausen; 3 Ringingen. - B Hallstattzeit: 4 Zainingen; 5 Pfaffenhof (Oberpfalz). - C römische Zeit: 6-8 Weil. - D Mittelalter: 9 Sindelfingen; 10-12 Geislingen a.d. Steige.

Mittelalterliche Tonfiguren

Aus dem Hoch- und Spätmittelalter sind verschiedene Gruppen von Terrakottafigürchen bekannt (Lang 1986; Oexle 1992; Hermann 1995). Genannt seien hier:

Oft wurde sog. Pfeifenton verwendet.

Remshalden-Buoch: Spielzeugpferdchen, Museum im Hirsch, Remshalden-Buoch (Foto: Museum im Hirsch / Benjamin Widholm CC BY-NC-SA via museum-digital)


Bamberg, Teil einer Ölberggruppe der Veitspfarre, 2. H. 15. Jh., Lapidarium des Diözesanmuseums (Foto: Xenophon CC BY 4.0 via WikimediaCommons)

In der sakralen Kunst finden sich Heiligenfiguren aus Terrakotta, deren Farbgebung oft mittels Glasur erfolgt. Als Beispiele seien eine Ölberggruppe aus Bamberg sowie ein um 1485 gefertigtes Retabel aus der Kapelle St. Wolfgang in Tullau (Gemeinde Rosengarten-Uttenhofen, Lkr. Schwäbisch Hall) (Landesmus. Württemberg Stuttgart, Inv. WLM 11723) genannt.

Neuzeitliche Tonfiguren

Die Tradition der mittelalterlichen Figürchen setzt sich in der Neuzeit fort. Neben zahlreichen Darstellungen aus religiösem Kontext sind auch profane Figuren aus einfachem Ton, glasierte Figürchen wie insbesondere Porzellanfigürchen zu nennen.

  • Augsburger Bilderbäcker (Jermann 1995)
Ulm, Hahnengasse 25: Tonfigürchen, 2 Löwen, Pferd mit Reiter (Foto: Ulmer Museum / Wolfgang Adler, Stadtarchiv Ulm CC BY-NC-ND via museum-digital)

Votivfiguren

Bereits aus der Antike ist das Phänomen der in Heiligtümern gestifteten Tonvotive bekannt. Dies gilt für den mediterranen Raum (z.B. Heilmeyer 1979) wie auch für die römischen Provinzen. Votivfiguren sind als regionaler Brauch auch während des Mittelalters und der Neuzeit in Mitteleuropa vertreten. Vielfach sind dabei auch nur einzelne Körperteile ausgeformt. Ein Zentrum ist der Raum um Vilsbiburg und Kröning in Niederbayern (Kreiner/Grasmann 2026), wo ein größerer Fundkomplex aus der Kirche St. Theobald in Geisenhausen stammt (Markmiller 1985).

Literaturhinweise

  • Heilmeyer 1979: W.D. Heilmeyer, Frühe Olympische Tonfiguren. Olymp. Forsch. 12 (Berlin 1979).
  • Hermmann 1995: M. Hermann, Augsburger Bilderbäcker. Tonfigürchen des späten Mittelalters und der Renaissance. Augsburger Museumsschriften 116 (Augsburg 1995).
  • Höckmann 1965: O. Höckmann, Menschliche Darstellungen in der bandkeramischen Kultur. Jahrb. RGZM 11, 1965, 1-34.
  • Kreiner/Grasmann 2026: L. Kreiner/ L. Grasmann, Massenhaft Tonköpfe - Niederbayerns Votivmekka. Bayerische Archäologie 2/ 2026, 21-28.
  • Lang 1988: W. Lang, Tonfigürchen des späten Mittelalters aus dem Kreis Göppingen. Hohenstaufen 13, 1986, 13-22.
  • Markmiller 1985: F. Markmiller (Hrsg.), Der Fundkomplex Tonvotive von St. Theobald in Geisenhausen. Der Storchenturm 39 (Dingolfing 1985).
  • Oexle 1992: J. Oexle, Minne en miniature - Kinderspielzeug im mittelalterlichen Konstanz. In: Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um 1300 (Stuttgart 1992) 392-395.
  • Torbrügge 1974: W. Torbrügge, Hallstattzeitliche Terrakotten von Fischbach-Schirndorf in der Oberpfalz. In: Studien zur vor- und frühgeschichtlichen Archäologie. Festschr. J. Werner. Münchner Beitr. Vor- u. Frühgesch. Ergänzungsband I, Teil I (München 1974) 57ff.
  • Wamser 1980: L. Wamser, Ein Ensemble hallstattzeitlicher Tonstatuetten von Rottendorf, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Arch. Jahr Bayern 1980, 88-89.
  • Wischenbarth 1996: P. Wischenbarth, Irdene Tierminiaturen aus den Fluren des Landkreises Neu-Uhu.- Zeugen vergangener Kindheit. Geschichte im Landkreis Neu-Ulm 2, 1996, 31-50.
  • Zürn 1957: H. Zürn, Katalog Zainingen. Ein hallstattzeitliches Grabhügelfeld. Veröff. Staatl. Amt Denkmalpfl. Stuttgart A,4 (Stuttgart 1957).