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| + | Trocknung: Nach dem Waschen sollten die Scherben langsam auf Sieben trocknen, um Spannungsrisse zu vermeiden. |
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| + | Die Reinigung birgt erhebliche Risiken für die Integrität des Fundobjekts: |
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| + | *Mechanische Schäden: Zu hartes Bürsten kann Kratzer verursachen, die fälschlicherweise als antike Drehrillen oder Gebrauchsspuren interpretiert werden. Zudem werden *Bruchkanten abgerundet, was das spätere Zusammensetzen (Anpassen) erschwert. |
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| + | *Struktureller Zerfall: Poröse oder unzureichend gebrannte Keramik kann durch Durchnässung ihre Stabilität verlieren und zerbröseln. |
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| + | *Verlust von Informationen: Durch das Waschen werden oft unsichtbare, aber wissenschaftlich wertvolle Inhaltsreste oder organische Gebrauchsspuren unwiederbringlich zerstört. |
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==Literaturhinweise== |
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*Andrey 2016: L. Andrey, Conservation et nettoyage de céramiques archéologiques peu cohésives. Recherche de méthodes de nettoyage mécanique et chimique sur des céramiques peu cohésives recouvertes de dépôts argileux (Saarbrücken 2016). |
*Andrey 2016: L. Andrey, Conservation et nettoyage de céramiques archéologiques peu cohésives. Recherche de méthodes de nettoyage mécanique et chimique sur des céramiques peu cohésives recouvertes de dépôts argileux (Saarbrücken 2016). |
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| + | *Brather 1994: S. Brather, Restaurierung von Keramik. In: J. Biel/D. Klonk (Hrsg.), Handbuch der Grabungstechnik (Stuttgart 1994/1998) Kap. 25.1. |
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[[Kategorie:wissenschaftliche Methoden]] |
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Aktuelle Version vom 8. Januar 2026, 19:55 Uhr
Das Reinigen der Scherbenfunde einer archäologischen Grabung ist ein wichtiger Schritt der Fundbearbeitung. Erst ein sauberer Scherben erlaubt die genaue Beobachtung von Herstellungsspuren, feinen Verzierungen und typologischen Details. Auch die direkte Beschriftung der Funde mit der Fundnummer der Ausgrabung ist erst nach der Reinigung möglich, ist aber ihrerseits Voraussetzung für Zusammensetzungen oder auch Vergleichen.
Allerdings ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit der Reinigung für die Forschung und dem Risiko der Beschädigung.
Vorgehen
Anhaftende Erde muss rasch entfernt werden, da sie beim Trocknen schrumpft und dabei empfindliche Glasuren oder Bemalungen vom Untergrund abreißen kann.
Beim Reinigen ist auf Gebrauchsspuren und Inhaltsreste zu achten, damit diese nicht beschädigt oder entfernt werden. Inhaltsreste sind am ehesten am Boden oder innen am Hals zu erwarten. Eventuell sollten Scherben nur so weit teilgereinigt werden, dass Beobachtungen zur Herstellungstechnik möglich sind. Zu den Gebrauchsspuren gehören auch Verrusungen auf der Außenseite, die beispielsweise Hinweise auf das verwendete Brennholz geben können.
Bisweilen ist es auch wichtig, bei der Reinigung darauf zu achten, welche Brüche eventuell frisch sind. Bei Fragestellungen nach Bruchmustern (Fehlbrand, Spannungsrisse aus der Nutzung) ist es wichtig zunächst, frische von alten Brüchen zu unterscheiden.
Methoden der Reinigung
Je nach Zustand und Art der Keramik kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:
Trockenreinigung
Bei vielen Funden genügt ein vorsichtiges Abbürsten mit einem steifen Pinsel oder einer weichen Bürste. Dies ist die schonendste Methode.
Nassreinigung
Gebrannte Keramik wird zumeist mit Wasser und einer Zahnbürste gereinigt. Geeignet sind Waschbecken mit einem Absetzbecken. Trocknung: Nach dem Waschen sollten die Scherben langsam auf Sieben trocknen, um Spannungsrisse zu vermeiden.
Instabile Oberflächen (schlechte Glasuren/Bemalungen) sollten lediglich mit einem Wasser-Ethanol-Gemisch abgetupft werden (Tupfmethode).
Bestimmte Funde dürfen nicht konventionell (mit Wasser/Bürste) gereinigt werden, sondern gehören in eine Restaurierungswerkstatt:
- Ungebrannte Scherben (lösen sich in Wasser auf).
- Bemalte Keramik (Farbschichten können abblättern).
- Funde mit Inhaltsresten (Speisekrusten, Rückstände in Urnen etc.).
- Gefestigte Keramik (darf nicht mit Wasser in Berührung kommen).
Spezialreinigung
Bei hartnäckigen unlöslichen Salzen (Sinter) muss mechanisch gereinigt werden, solange die Funde noch feucht sind. Chemische Reinigungen (Säuren) sollten nur durch Restauratoren erfolgen.
Gefahren und Risiken
Die Reinigung birgt erhebliche Risiken für die Integrität des Fundobjekts:
- Mechanische Schäden: Zu hartes Bürsten kann Kratzer verursachen, die fälschlicherweise als antike Drehrillen oder Gebrauchsspuren interpretiert werden. Zudem werden *Bruchkanten abgerundet, was das spätere Zusammensetzen (Anpassen) erschwert.
- Struktureller Zerfall: Poröse oder unzureichend gebrannte Keramik kann durch Durchnässung ihre Stabilität verlieren und zerbröseln.
- Verlust von Informationen: Durch das Waschen werden oft unsichtbare, aber wissenschaftlich wertvolle Inhaltsreste oder organische Gebrauchsspuren unwiederbringlich zerstört.
| Vorteile | Nachteile |
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Literaturhinweise
- Andrey 2016: L. Andrey, Conservation et nettoyage de céramiques archéologiques peu cohésives. Recherche de méthodes de nettoyage mécanique et chimique sur des céramiques peu cohésives recouvertes de dépôts argileux (Saarbrücken 2016).
- Brather 1994: S. Brather, Restaurierung von Keramik. In: J. Biel/D. Klonk (Hrsg.), Handbuch der Grabungstechnik (Stuttgart 1994/1998) Kap. 25.1.