Feinsandig glimmerhaltige nachgedrehte Ware (Neckarland, HMa)

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Im Neckarland sowie den westlich anschließenden Gäuplatten des Kraichgaus und des Oberen Gäus tritt im Hochmittelalter eine feinsandig glimmerhgaltige nachgedrehte Ware auf. Sie tritt neben eine gröbere nachgedrehte Ware sowie - v.a. im Oberen Gäu neben die sandgemagerte nördliche Variante der Albware. Beim bisherigen Stand der Forschung ist eine abchließende Warenartdefinition noch nicht möglich.


Forschungsgeschichte

Bereits Uwe Lobbedey verwies bei seiner Darstellung der mittelalterlichen Keramik aus Südwestdeutschland auf nachgedrehte Keramik aus dem Kraichgau. Insbesondere spielt hier der Töpfereikomplex von Bad Rappenau eine wichtige Rolle.

Die räumliche Kohärenz der Funde als eigenständige regionale Warenart und die Zusammengehörigkeit der Funde ist bislang nicht gesichert und erfolgt bislang eher in Abgrenzung zur Glimmerware (Rhein-Main-Gebiet, FMa/ HMa/ SMa) im Norden, der Albware im Südwesten und der feinsandig glimmerhaltigen nachgedrehten Ware in Südosten. Während Glimmerware und Albware durch ihre andere Scherbenbeschaffenheit abgrenzbar sind, ergeben sich gegenüber der nachgedrehten Ware der Ostalb v.a. Abweichungen bei den Randformen.

Ein kleiner Fundbestand aus Kornwestheim, St. Martin wird als "nachgedrehte graubraune Ware" beschrieben (Scholkmann/Frommer 2012, 111), mit einem sehr harten bis harten, dichtem Scherben, der eine feine bis mittelfeine Magerung aufweist, wobei die Partikel im Bruch teilweise weiß erscheinen. Er wird mit der glimmerhaltigen Ware in Verbindung gebracht, doch wird keine Glimmermagerung beschrieben.

Andere Bezeichnungen

  • Gewülstete Ware, schnellaufend nachgedrehte Ware, feinsandiger Ton (Lobbedey 1968, 160).
  • nachgedrehte graubraune Ware (Scholkmqann/Frommer 2012, 111)

Charakteristika

Herstellungstechnik

Es handelt sich um nachgedrehte Keramik.

Brand/ Farbe

Der Scherben ist hart, meit reduzierend gebrannt und von meist grauer oder graubrauner Farbe.

Magerung

Die Magerung ist fein bis mittel und schwach bis mäßig mit Glimmer und Quarz versetzt.


Oberflächenbeschaffenheit

Die Oberfläche ist matt.

Verzierungen

  • Bodenzeichen


Bei den Funden aus Kornwestheim wird explizit der Quellrand am Boden genannt (Scholkmann/Frommer 2012, 111).

Gefäßformen

  • Töpfe
  • Doppelhenkelkannen

Randformen

Im Fundbestand von Renningen, Neuwiesenäcker dominieren ausbiegende Ränder, die jedoch formal außerordentlich unterschiedlich erscheinen: Sie können einfach ausgebogen sein (Form 52), eine gelegentlich spitz ausgezogene Randlippe (Form 53) aufweisen oder als halsloser Wulstrand (Form 54) gestaltet sein. Im möglicherweise etwas jüngeren Bestand der Töpferei Bad Rappenau, Bandhaus sind hingegen Leistenränder prägend.

Chronologie

Bei den Grabungen in der Kirche St. Martin in Konrnwestheim treten die Funde nicht vor der in das 12. Jahrhundert datierten Phase III auf (Scholkann/Frommer 2012, 111). Möglicherweise handelt es sich bei diesen Funden - ohne Glimmermagerung - um die Endphase dieser Gruppe, die man typologisch eher ins 10./11. Jahrhundert verweisen möchte. Dafür spricht, dass in dem typologisch späten Bestand von Bad Rappenau mit seinem überwiegenden Leistenrändern auch zwei Ränder vorhanden sind, die der einzigen Randform aus Kornwestheim nahe stehen.

Verbreitung

Nachgedrehte Ware ist im Neckarland und dem benachbarten Kraichgau nicht durchgehend an allen Fundstellen vertreten,selbst wenn dort größere Fundmengen vorhanden sind. Uwe Gross stellte beispielsweise fest (Gross 2019, 5), dass sie in Eschelbronn, in Gochsheim (Gross 2016 a), in der Burg im Burgwäldchen bei Bretten und in im Turmhaus in Eppingen (Gross 2014) vollständig fehlt.

Da diese Ware derzeit noch unscharf definiert ist, lässt sich ein Verbreitungsgebiet noch nicht klar erfassen. Nachgedrehte Ware ist im Kraichgau nur an der östlichen und südlichen Peripherie relevant (Töpferei Bad Rappenau, Bandhaus, Stadtgebiet Heilbronn, Wüstung Niederramsbach bei Cleebronn, Lauffen am Neckar) trotz vereinzelter Vorkommen z.B. von Älterer Albware (Gross 2019, Abb. 5-6).

In der Wüstung Zimmern bei Stebbach sind wenige Fragmente vorhanden (Gross 1997, 136), die bei der Erstbearbeitung noch unerkannt blieben (Dickmans 1992). Geringe Mengen liegen aus Alt-Schwaigern vor (Ade-Rademacher 1994; Gross 1997, 137 ff.).


Wichtige Fundorte

Herstellungsbelege

In Bad Rappenau wurde 1933 am "Bandhaus" ein Töpferofen ausgegraben, aus dessen Kontext 11 Gefäße erhalten sind (Lobbedey 1968, 169f.).

Kulturgeschichtliche Einordnung und sozialer Kontext

Die nachgedrehte Keramik hat in der Region anscheinend eine geringere Bedeutung als in den südlich und östlich angrenzenden Regionen. stattdessen ist im Neckarland die Ältere gelbe Drehscheibenware dominierend.

Im Neckarland existieren verschiedene Gruppen nachgedrehter Keramik, so neben der feinsandig glimmerhaltigen Ware auch die gröbere nachgedrehte Ware (Neckarland, HMa) und die Albware (Schwäbische Alb/ mittleres Neckarland, HMa). Hinzu kommt, das Teile der älteren grauen Drehscheibenware und der gelben quarzgemagerten Ware ebenfalls "nachgedreht" hergestellt wurden. Beim aktuellen Forschungsstand ist die Überführung deskriptiver lokaler Gruppen in Warenarten noch nicht abgeschlossen und hat eine systematische Zusammenschau der vorliegenden Funde zur Voraussetzung. Inwiefern man bei einer künftigen Definition die ähnlichen, aber nicht glimmerhaltigen aus Kornwestheim, St. Martin (Scholkmann/Frommer 2012, 111) wird einbeziehen müssen, ist aktuell offen. Möglicherweise liegt in Kornwestheim ohne Glimmer eine späte Ausprägung am Ende der Entwicklung vor.

Literaturhinweise

  • Gross 1991: U. Gross, Mittelalterliche Keramik zwischen Neckarmündung und Schwäbischer Alb. Bemerkungen zur räumlichen Entwicklung und zeitlichen Gliederung. Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Bad.-Württ. 12 (Stuttgart 1991).
  • Gross 2019: U. Gross, Keramik aus der Nachbarschaft. Ware Neuhausener Art, Rotbemalte Elsässer Ware, Ältere graue Drehscheibenware Elsässer Art, Ältere Albware, Ältere gelbe Drehscheibenware (Typ Jagstfeld) und Buocher Feinware im Kraichgau. Beiträge zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Südwestdeutschland (2019). - DOI: https://doi.org/10.11588/ARTDOK.00006571
  • Lobbedey 1968: U. Lobbedey, Untersuchungen mittelalterlicher Keramik vornehmlich in Südwestdeutschland. Arb. Frühmittelalterforsch. 3 (Berlin 1968).
  • Scholkmann/Frommer 2012: B. Scholkmann/ S. Frommer, St. Martin in Kornwestheim. Archäologie und Geschichte einer Kirche. Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Baden-Württemberg 33 (Stuttgart 2012).
  • Schreg 2006: R. Schreg, Dorfgenese in Südwestdeutschland. Das Renninger Becken im Mittelalter. Materialh. Arch. Bad.-Württ. 76 (Stuttgart 2006).