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Es gibt viele Möglichkeiten, Tone in Gruppen einzuteilen.
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Ein Kriterium, Tone einzuteilen, ist die Einteilung der Tone ist die Unterscheidung verschiedener Tonminerale. In der Natur sind Tone oft Mischungen verschiedener Tonminerale, wobei aber eins dominieren kann. Im Zusammenhang mit Keramik und Töpferei sind vor allem die Gruppen der Kaolinite, der Montmorillonite bzw. Smektite und der Illite von Bedeutung. In der Gruppe der Kaolinite spielt das Kaolinit eine große Rolle als Bestandteil des Porzellans. Wegen seiner regelmäßigen Struktur wird das Kaolinit zuweilen als exemplarisches bzw. idealtypisches Tonmineral behandelt, etwa um allgemeine, vereinfachte Aussagen über die chemische Zusammensetzung von Ton zu machen etc. Die Montmorillonite sind vor allem für ihre große Plastizität und Quellfähigkeit bekannt. Illite spielen eine Rolle als Bestandteil von Steinzeugtonen, aber auch bei den feinen Glanztonengoben in der antiken Keramik (römische Terra sigillata, römische Terra nigra, griechische Glanztonkeramik).
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Man kann Tone nach ihrer geologischen Herkunft einteilen, also in welchem Zeitabschnitt sie entstanden sind (Tertiäre Tone etc). Dies sagt allerdings eher wenig über ihre Eigenschaften aus.
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Tone werden nach den keramischen Warengattungen und ihrer Verarbeitung und Verwendung eingeteilt: in Ziegelton, Steinzeugton, Irdenwareton etc. (Hamer/Hamer 1990, 349-351)
   
 
== Literaturhinweise ==
 
== Literaturhinweise ==

Aktuelle Version vom 26. Januar 2026, 15:32 Uhr

Quartäre Tonschicht in Estland. (Siim Sepp [CC BY-SA 3.0] via WikimediaCommons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Clay-ss-2005.jpg)

Tone sind Verwitterungsprodukte silikathaltiger bzw. aluminiumhaltiger Gesteine. Für die Entstehung des Tones ist jedoch neben der mechanischen und chemischen Verwitterung die sogenannte Hydration von großer Bedeutung. Erst diese chemische Wasseranlagerung verleiht dem Ton seine Plastizität. Die reine Tonsubstanz ist das sogenannte Kaolinit (A1203 2Si02 2H20), das sich im Durchschnitt aus etwa 39,4 % Aluminiumoxid (AI203), 46,6 % Siliziumdioxid (Si02 - 'Kieselsäure') und 14,0 % Wasser (H20) zusammensetzt.

Die meisten Tone enthalten jedoch nicht mehr als 50% dieses Kaolins. Die Beimengungen können sehr unterschiedlich sein, so dass die verschiedenen Tone verschiedene Eigenschaften und Eignungen besitzen.

Ton, der wichtigste Rohstoff in der Töpferei,

Bezeichnung und Definitionen

Das Wort Ton (althochdeutsch thaha oder daha) bezeichnet seit alters her die Erde, die als Rohstoff der Töpferei dient, und bezog sich ursprünglich sowohl auf Töpfererde als auch das fertige Keramikgeschirr. In den Geowissenschaften gibt es unterschiedliche Definitionen von Ton aus verschiedenen Perspektiven, die sich aber in der Realität größtenteils decken bzw. überschneiden.

Ton als Korngröße

So ist Ton zum einen sedimentologisch bzw. granulometrisch als eine Korngrößenfraktion definiert (wie auch Schluff, Sand und Kies etc.). Ton umfasst demnach eine äußerst feine Korngrößenfraktion von unter 2 Mikrometer Durchmesser, unabhängig davon, aus welchen Mineralen und Gesteinen die Sedimentkörner bestehen. Allerdings enthält Ton in diesem Sinne in der Natur fast immer auch einen relevanten Anteil an Tonmineralen (s. u.). Zu den häufigsten Mineralen, die in der Tonfraktion vorliegen, aber keine Tonminerale sind, gehören Quarz, Feldspat und Calcit.

Ton als Bodenart

Zum Anderen wird unter Ton in der Bodenkunde (Pedologie) eine Bodenart verstanden, die vorwiegend aus dem feinen Sediment der Korngröße Ton besteht. Andere Bodenarten sind entsprechend Schluff (auch Silt) und Sand, sowie Lehm, bei dem Schluff, Sand und Lehm jeweils einen bedeuten Anteil bilden. Hier werden Feinabstufungen unterschieden wie z. B. toniger Sand, schluffiger Ton etc.

Tonminerale

In der Mineralogie schließlich gibt es den Begriff der Tonminerale. Sie gehören zu den Schichtsilikaten und bilden in der Regel keine Gesteine, sondern neigen dazu, kleine Körner bzw. Partikel in der Korngröße von Ton und zum Teil auch von feinem Schluff zu bilden. Die Kristallstruktur der Tonminerale besteht in der Regel aus vielen dünnen Schichten, und daher bilden sie meist plättchenförmige Partikel. Die etwa 30 bis 50 Tonminerale werden in Gruppen zusammengefasst und unterscheiden sich unter anderem in der chemischen Zusammensetzung, im Aufbau bzw. der Struktur der Kristalle, in der durchschnittlichen Korngröße, im Quellverhalten und in ihrer Plastizität sowie in der erforderlichen minimalen und maximalen Brenntemperatur. Natürliche Tonvorkommen bestehen oft aus mehreren Tonmineralen. In Mischkristallen (engl. mixed layer minerals) bestehen sogar die einzelnen Kristallschichten aus unterschiedlichen Tonmineralen.

Rohton, Masse, Scherben

Unabhängig von der geowissenschaftlichen Ansprache und Aufbereitung bezeichnet Ton den plastisch formbaren Werkstoff der Töpferei. Im professionellen Sprachgebrauch und in der Industrie gibt es eine differenziertere Terminologie für die verschiedenen Verarbeitungsstufen (Bender 2004, 84). Der unaufbereitete Ton, der Rohstoff, wird als Grubenton oder Rohton bezeichnet. Das aufbereitete Material, der Werkstoff, wird oft als Masse bezeichnet, meist spezifiziert nach Herstellungstechnik oder Verwendung: Drehmasse, Aufbaumasse, Gießmasse, Kachelmasse, Rakumasse, Porzellanmasse oder allgemein Arbeitsmasse u. a. (ähnlich engl. "paste"). Umgangssprachliche Bezeichnungen wie "gebrannter Ton", "Tongeschirr" etc. sind daher fachsprachlich falsch: Nach dem Brand handelt es sich chemisch und mineralogisch um ein anderes Material, das folgerichtig nicht als Ton, sondern als (der) Scherben bezeichnet wird.

Ton und Lehm

Das Wort Lehm ist etymologisch mit Leim verwandt und bezeichnete also ursprünglich eine klebrige Erde. Nach der modernen bodenkundlichen Definition ist Lehm eine Bodenart, die neben Ton auch größere Anteile an Schluff und Sand aufweist, d. h. weder Ton, Sand noch Lehm dominieren stark. Das Rohmaterial der Töpferei wird heute im Allgemeinen als Ton und nicht als Lehm bezeichnet - abgesehen von Beispielen in einigen Mundarten und im historischen Sprachgebrauch (vgl. etwa im Ständebuch des Hans Sachs, 1568: "Den Leymen tritt ich mit meim Fuß..."). Beim Rohmaterial prähistorischen und historischer Keramik kann es sich tatsächlich auch um Lehm im Sinne der bodenkundlichen Definition handeln - sofern der Lehm eine ausreichende Plastizität aufweist, d. h. wenn es sich einen tonigen bzw. fetten Lehm handelt, ist er auch zum Töpfern geeignet. Das gilt insbesondere für die handgemachte Keramik und für Ziegeleiprodukte bzw. Baukeramik.

Entstehung

Tone entstehen durch Verwitterung von Gesteinen, Tonminerale durch die Verwitterung von Silikatgesteinen. Das Entstehen von Kies bzw. Schotter, Sand und Schluff durch das Zerkleinern von Gesteinen in kleinere Bruchstücken (Klasten) kann auf mechanischem Weg geschehen (z. B. durch Frostsprengungen oder durch Gletscher u. v. a.). Die Entstehung von Tonmineralen aus Silikatgessteinen dagegen ist eine chemische Umwandlung.

Während es sich bei der Verwitterung von Gesteinen in Sand und Schluff um einen physikalischen Vorgang handelt, bZerkleinern von Gesteinen in kleinere Partikel (Klasten, d. h. Bruchstücke), ist die Entstehung von Tonmineralen eine chemische Verwitterung (klassische Sedimente)

Vorkommen, Abbau, Transport, Aufbereitung

Zur Töpferei geeignete Rohstoffe, d. h. Ton und toniger Lehm, sind weit verbreitet und in vielen Regionen häufig zu finden. In wenigen Regionen sind sie selten, etwa im Gebirge. Je geringer die Ansprüche an das Material, wie etwa die maximale Brenntemperatur oder eine hohe Plastizität, desto größer ist die Auswahl an geeigneten Lagerstätten. Steinzeugton, der die entsprechenden hohen Brenntemperaturen aushält, findet sich nur in wenigen Regionen, in denen sich Steinzeugzentren bildeten. Ton, der zum Drehen von Irdenware geeignet ist, findet sich häufig. Handgemachte Keramik lässt sich zum Teil auch aus zum Drehen schlecht geeigneten, magereren Tonen oder tonigen Lehmen herstellen, wie sie sich praktisch überall finden lassen, daher die oft dezentrale, lokale Herstellung. Tone sind in vielen geologischen Zeitabschnitten entstanden. Die Lagerstätten können von mehrere hundert Meter mächtigen Vorkommen bis hin zu kleinsten Tonlinsen reichen. Ton wird oft im Tagebau, aber gelegentlich auch unter Tage, d.h. in Bergwerken, abgebaut. Ton wurde in vorindustrieller Zeit nur selten über große Entfernungen transportiert, von Sonderfällen abgesehen (Graphitton). In rezenten ethnographischen Fallbeispielen wird Ton in 85% der Fälle in einem im Umkreis von bis zu etwa 7 km gewonnen (Rice 2015, 130-133). Der rohe Ton muss zur weiteren Verwendung aufbereitet werden Aufbereitung. Die Aufbereitung kann sich, je nach Lagerstätte, Herstellungstechnik, Produktionsumfang und Spezialisierung, auf ein geringfügiges manuelles Reinigen und Homogenisieren beschränken, oder aber ein umfangreicher mehrstufiger, arbeitsintensiver Prozess sein.

Eigenschaften

Ein guter Töpferton muss eine gute Mischung von Plastizität, Porosität und Festigkeit aufweisen, um bei der Formgebung, dem Brand und schließlich in der Nutzung gute Ergebnisse zu erzielen.

Als 'fett' bezeichnet man einen Ton aus besonders feinen und dicht gelagerten Schlämmteilchen. Er hat einen speckigen Glanz, fühlt sich glatt an und ist geschmeidig. Da sich 'fetter' Ton leicht in die Länge ziehen lässt, bezeichnet man ihn auch als 'langen Ton'. Er trocknet aufgrund seiner Dichte ungleichmäßig, so dass leicht Spannungen und Risse entstehen können. Im Gegensatz dazu steht der 'magere' Ton mit groben Beimengungen, er ist rau und weil er leicht reißt ('kurzer' Ton) weit weniger plastisch. Sein Vorteil beruht in einem geringeren Schwund und einer geringeren Rissanfälligkeit während des Brandes.

Aus diesem Grund wird einem zu fetten Ton meist eine Magerung zugesetzt. Dazu kann Sand (mineralische Magerung), Spreu oder Mist (organische Magerung) verwendet werden.

chemische Bestandteile

Tongruppen

Es gibt viele Möglichkeiten, Tone in Gruppen einzuteilen. Ein Kriterium, Tone einzuteilen, ist die Einteilung der Tone ist die Unterscheidung verschiedener Tonminerale. In der Natur sind Tone oft Mischungen verschiedener Tonminerale, wobei aber eins dominieren kann. Im Zusammenhang mit Keramik und Töpferei sind vor allem die Gruppen der Kaolinite, der Montmorillonite bzw. Smektite und der Illite von Bedeutung. In der Gruppe der Kaolinite spielt das Kaolinit eine große Rolle als Bestandteil des Porzellans. Wegen seiner regelmäßigen Struktur wird das Kaolinit zuweilen als exemplarisches bzw. idealtypisches Tonmineral behandelt, etwa um allgemeine, vereinfachte Aussagen über die chemische Zusammensetzung von Ton zu machen etc. Die Montmorillonite sind vor allem für ihre große Plastizität und Quellfähigkeit bekannt. Illite spielen eine Rolle als Bestandteil von Steinzeugtonen, aber auch bei den feinen Glanztonengoben in der antiken Keramik (römische Terra sigillata, römische Terra nigra, griechische Glanztonkeramik). Man kann Tone nach ihrer geologischen Herkunft einteilen, also in welchem Zeitabschnitt sie entstanden sind (Tertiäre Tone etc). Dies sagt allerdings eher wenig über ihre Eigenschaften aus. Tone werden nach den keramischen Warengattungen und ihrer Verarbeitung und Verwendung eingeteilt: in Ziegelton, Steinzeugton, Irdenwareton etc. (Hamer/Hamer 1990, 349-351)

Literaturhinweise

  • Bender 2004: W. Bender, Vom Ziegelgott zum Industrieelektroniker. Geschichte der Ziegelherstellung von den Anfängen bis heute (Bonn 2004).
  • Hamer/Hamer 1990: F. Hamer/J. Hamer, Lexikon der Keramik und Töpferei. Material Technik Geschichte. Übers. u. Bearb. v. B. Pfannkuche (Augsburg 1990).
  • Rice 2015: P. M. Rice, Pottery Analysis. A Sourcebook (Chicago/London (2)2015).
  • Schreg 1999: R. Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit³ (Tübingen 1999).