Gelbe, rotbemalte Elsässer Drehscheibenware (Elsaß, HMa)
Die rotbemalte Elsässer Ware ist durch ihre extreme Feintonigkeit gekennzeichnet. Es handelt sich um eine spezielle Ausprägung der älteren gelben Drehscheibenware, die von karolingischer Zeit bis ins späte 12. Jahrhundert reicht. Sie wurden in der Region Soufflenheim hergestellt.
Forschungsgeschichte
Im Elsass wurde diese Kategorie im Wesentlichen von Madeleine Châtelet in ihrer Dissertation und in einem Artikel (2005) identifiziert und behandelt.
Andere Bezeichnungen
- rotbemalte Elsässer Ware
- feinsandig gelbe oberrheinische Drehscheibenkeramik
- „Elsässer Ware“
- bemalte gelbe Drehscheibenware (Freitag 2026)
- céramique claire peinte
- pâte claire alsacienne
- pâte claire alsacienne "peinte"
Charakteristika
Herstellungstechnik
Drehscheibenware
Brand/ Farbe
oxidierend gebrannt, helle Farbe, meist ockerfarben, seltener olivfarben, was auf den kaolinitischen Charakter des Tons zurückzuführen ist.
Verzierungen
In der Frühzeit ist die Bemalung bogen- oder girlandenförmig, seltener gitterartig, im 11./12. Jahrhundert ist sie zu einfachen Schrägstrichen reduziert. Ebenfalls in die Frühzeit gehören Leistenauflagen auf Schulter und Hals. Die Farbe der Engobe bleibt während des gesamten Zeitraums rot. Die spätesten Exemplare können auch eine gelbe oder grüne Glasur (ohne Engobe) aufweisen. Die Bauchpartien sind oft geriffelt. Eine Kombination von Rotbemalung und Rollstempeldekor ist in Straßburg, St. Ilgen und Cleebronn (Wüstung Niederramsbach) belegt.
Varianten
Im Elsaß, Madeleine Châtelet hat anhand ihres Aussehens und ihres Brenngrades drei Untergruppen unterschieden:
- die gewöhnliche gelbe Drehscheibenware, die sich durch eine feine, mittelharte Masse und meist feine Magerung auszeichnet;
- die grobe gelbe Drehscheibenware, die durch gröbere Magerung gekennzeichnet ist;
- sowie die gut gebrannte gelbe Drehscheibenware, die eine feinere Masse aufweist und härter ist als die anderen.
In Verbindung mit dieser Kategorie unterscheidet Madeleine Châtelet zudem die gelbe körnige Drehscheibenware (früher als „sehr gut gebrannt“ bezeichnet), die sich durch einen härteren Ton mit zahlreicher silikatischer Magerung mittlerer bis grober Größe auszeichnet (1. Hälfte des 7. bis Anfang des 10. Jahrhunderts). Schließlich unterscheidet sie eine graue gelbe Drehscheibenware, die die meisten Merkmale der gewöhnlichen feinen gelbe Drehscheibenware aufweist, außer dass sie grau ist und ihre Formen denen der rauhwandige Drehscheibenware ähneln (7. Jahrhundert).
Als eng verwandt erweist sich eine gröbere Variante mit Klecksbemalung im Raum Worms-Speyer (Gross 1991, 75 f. 79).
Gefäßformen
An Gefäßformen sind Töpfe, Kannen mit randständigen Henkeln, Schüsseln, Schälchen und Deckel bekannt (Gross 1992).
Es deutet sich an, dass rundbodige Becher (Typ Ettlingen-Bouxwiller) wohl bis höchstens ins 10.Jh. hergestellt wurden, wohingegen jüngere Becher des 11./12. Jahrhunderts Linsen- (z.B. Hirsau) oder Standböden ( Wittelbach, St. Peter und Paul) aufweisen.
Chronologie
Diese Keramiken scheinen in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts aufzutauchen und werden in der Region bald zur vorherrschenden Form. Diese plötzliche Dominanz, die zum Verschwinden aller anderen Kategorien führt, hängt sicherlich mit einem abrupten Wandel in der Keramikproduktion zusammen, der insbesondere durch die Zentralisierung der Werkstätten in der Region Soufflenheim zu dieser Zeit gekennzeichnet war und durch petrographische Untersuchungen bestätigt werden konnte. Die Plötzlichkeit dieses Phänomens veranlasste Madeleine Châtelet, darin einen politischen Willen zu sehen. Diese Kategorie verschwindet im Laufe des 13. Jahrhunderts. Die Graue "geriefte" Drehscheibenware, die danach zur vorherrschenden Form wird und sie nach und nach zu ersetzen scheint, übernimmt deren Formen und technische Merkmale, was darauf hindeutet, dass diese beiden Kategorien aus denselben Werkstätten stammen könnten.
Als Datierungsanhalt für eine Laufzeit bis ins 12. Jahrhundert wird ein Reliquienbehälter von 1132 (Weihedatum der Kirche!) aus der Kirche von Wittelbach, St. Peter und Paul herangezogen (Gross 1991a, 142 Anm. 35).
Verbreitung
Sie liegen vom Nordelsass bis nach Colmar und vom Neckar bis zu den Vogesen.
https://www.google.com/maps/d/edit?mid=1Em5yj_Z7LGdFEUHOre7IjET1E5U&usp=sharing
wichtige Fundorte
- Renningen, Neuwiesenäcker
- Hirsau, Kloster St. Peter
- Wittelbach, St. Peter und Paul
Kulturgeschichtliche Einordnung und sozialer Kontext
Die Elsässer Ware beeinfluste die gelbe quarzgemagerte Ware (Neckarland, HMa) und die verwandte rotbemalte gelbe Drehscheibenware (Neckarland, HMa).
Genau wie bei der Glimmerhaltige nachgedrehte Ware zeugen das plötzliche Überwiegen gelber Elsässer Drehscheibenware und die Zusammenlegung der Werkstätten zweifellos von einer umfassenden und plötzlichen Umstrukturierung der gesamten Töpferproduktionskette unter dem Einfluss einer politischen Macht, die noch zu identifizieren ist.
tabellarische Übersicht
| Beschreibung | |
|---|---|
| Warenart | Gelbe, rotbemalte Elsässer Drehscheibenware (Elsaß, HMa) |
| Verbreitungsgebiet | Elsass, südliches Oberrheingebiet, einzelne Funde bis ins mittlere Neckarland |
| Datierung | 8.-12. Jh. |
| Chronologie | |
| Herstellungstechnik | Drehscheibenware |
| Brand | oxidierend |
| Farbe | weiß-gelblich |
| Härte | hart |
| Oberfläche | matt/geglättet |
| Verzierung | |
| Magerung | Quarz: schwach bis mäßig, fein |
| Gefäßformen | v.a. Töpfe, Kannen mit randständigem Henkel, Schalen; Becher |
| Randformen | |
| nachgewiesene Produktionsorte |
Literaturhinweise
- Châtelet 2002: M. Châtelet, La céramique du haut Moyen Age du sud de la vallée du Rhin supérieur Alsace et Pays de Bade). Typologie, chronologie, technologie, économie et culture (Montagnac 2002)
- Gross 1991: U. Gross, Mittelalterliche Keramik zwischen Neckarmündung und Schwäbischer Alb. Bemerkungen zur räumlichen Entwicklung und zeitlichen Gliederung. Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Bad.-Württ. 12 (Stuttgart 1991). - DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00005858
- Gross 1991: U. Gross, Die Keramik-, Bein- und Metallfunde in dem gemauerten Schacht bei St. Peter und Paul. In: Hirsau St. Peter und Paul 1091-1991. Zur Archäologie und Kunstgeschichte. Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Bad.-Württ. 10,1 (Stuttgart 1991) 139–178. - DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00000674
- Gross 1992: U. Gross, Rotbemalte Elsässer Ware. In: Leben im Mittelalter. 30 Jahre Mittelalterarchäologie im Elsaß. Ausstellungskat. Speyer 1992 (Speyer 1992) 102-104.
- Henigfeld 2005: Y. Henigfeld, La céramique à Strasbourg de la fin du Xe au début du XVIIe siècle. Le vaisselier d´après les fouilles archéologiques récentes (Caen 2005)
- Schreg 2006 R. Schreg, Dorfgenese in Südwestdeutschland. Das Renninger Becken im Mittelalter. Materialh. Arch. Bad.-Württ. 76 (Stuttgart 2006) , bes. 143.