Glasierte Keramik: Unterschied zwischen den Versionen

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Glasuren treten bereits in der römischen Antike auf, sin dabei aber so selten, dass mit Fehldatierungen zu rechnen ist. Während im Mittelmeerraum etwa bei der byzantinischen Keramik weiterlaufende Traditionen bis hin zur [[Majolica]] zu erkennen sind, bricht glasierte Keramik in Mitteleuropa erst einmal ab, ehe sie im Spaätmittelalter zunächst an der [[Jüngere Drehscheibenware|jüngeren Drehscheibenware]] wieder auftritt.
 
Es handelt sich um [[Bleiglasur]]en. Mit [[Flußmittel]]n muss deren Schmelzpunkt so weit herabgesetzt werden, daß sich das Gefäß nicht verformt.
   
 
Frühe Glasuren sind in der Regel grün oder gelb. Sie werden zunächst an der Innenseite angebracht, da sie eher eine praktische Funktion (Abdichtung), als eine zierende Funktion besitzen. Hinzuweisen ist allerdings auf die frühen beidseitig glasierten Henkelschalen der [[Freiburg, Latrine der Augustinereremiten|Freiburger Latrine der Augustinereremiten]]. Der frühe - spätmittelalterliche - Bestand an glasierter Keramik kann als [[glasierte jüngere Drehscheibenware (SMa)]] von der [[glasierte Hafnerware (FNz)]] abgesetzt werden, da der Formenbestand wie auch die Funktion der Glasur etwas abweichend scheint.
Glasierte Gefaße finden sich bereits seit dem 13. und 14. Jahrhundert vor allem am südlichen Oberrhein und am Bodensee. Zunächst wird die Glasur häufig auf die reduzierend gebrannte Keramik der jüngeren Drehscheibenware aufgebracht, wobei traditionelle Verzierungen wie Rollrädcheneindrücke einfach mit Glasur überdeckt werden. Nach archivalischen Quellen muß glasierte Keramik in Freiburg im Breisgau schon vor 1284 hergestellt worden sein (Untermann/ Kaltwasser 1989). Eine Ausnahme sind hier aber die Funde der Augustinereremiten-Kloake in Freiburg, wo in großer Zahl beidseitig grün glasierte, reduzierend gebrannte Henkelschüsseln auftreten, die sonst in der Stadt nicht vorhanden sind (Kaltwasser 1995a). In Ravensburg läßt sich eine Produktion im 14. Jahrhundert nachweisen, in Ulm treten erste Funde etwa zur gleichen Zeit auf.
 
   
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Neben den Bleiglasuren sind in der Neuzeit unter den Oberbegriff der glasierten Keramik oft auch Gefäße mit [[Lehmglasur]] wie zum Beispiel die [[Bunzlauer Ware]] subsumiert. Neuzeitliche glasierte Keramik fällt oft unter den Begriff der "Bauernkeramik", wobei dieser auch für [[Steinzeug]] und [[Steingut]] verwendet wird und eher im kunsthandwerklichen, denn im wissenschaftlichen Kontext Verwendung findet.
Erst während des 14./15. Jahrh. erfährt hellgebrannte, meist nur innen glasierte Keramik in Südwestdeutschland eine größere Verbreitung und setzt sich gegen die zumeist reduzierend, in ihrer Spätphase auch zunehmend oxydierend gebrannte jüngere Drehscheibenware durch.
 
   
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[[Datei:ABB245.jpg|right|mini|Beidseitig glasierte Henkelschüsseln, Freiburg, Latrine der Augustinereremiten.]]
Glasuren treten zunächst an der [[Jüngere Drehscheibenware|jüngeren Drehscheibenware]] auf. Im archäologischen Material - vor allem bei Oberflächenfunden - sind sie häufig bis auf geringe Reste abgeplatzt.
 
Es handelt sich um Bleiglasuren (Hafnerkrankheit - Verbote seit 19. Jahrhundert). Mit Flußmitteln muß der Schmelzpunkt soweit herabgesetzt werden, daß sich das Gefäß nicht verformt. Frühe Glasuren sind in der
 
Regel grün oder gelb. Sie werden zunächst an der Innenseite angebracht, da sie eher eine praktische Funktion (Abdichtung), als eine zierende Funktion besitzen. Hinzuweisen ist allerdings auf die frühen beidseitig glasierten Henkelschalen der Freiburger Latrine der Augustinereremiten.
 
   
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Im archäologischen Material - vor allem bei Oberflächenfunden - sind die Glasuren häufig bis auf geringe Reste abgeplatzt. Am ehesten haben sich Glasurreste noch in Kehlen oder Wandungsknick (etwa unterm Rand) erhalten.
Gegenüber der mittelalterlichen Keramik ist bei der glasierten Keramik eine Ausweitung des Formenspektrums festzustellen. Es treten nun auch [[Schale]]n, Pfannen und [[Teller]], aber auch eine ganze Reihe von
 
Sonderformen für Hygiene (Nachttöpfe, Handwaschschüsseln), Medizin (Apothekergefäße, Salbtöpfchen) und Garten (Blumentöpfe, Vogeltränken) auf.
 
   
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==Varianten==
Charakteristisch für das 16. Jahrhundert sind schlanke [[Topf|Töpfe]] aus hellem Ton. Sie sind innen und über den Rand grün glasiert, unter dem Rand ist ein horizontaler Streifen rot bemalt. Der Rand kann unterschiedlich geformt sein. Neben Kamiesrändern sind Wulstränder und Sichelränder mit Deckelfalz vertreten. Gerillte Wandungen verschwinden nach der Mitte des 16. Jahrhunderts, der Topf verliert überhaupt an Bedeutung und wird durch glattwandige Henkeltöpfe ersetzt. Charakteristisch sind die oft randständigen Bandhenkel, die am unteren Ansatz häufig Fingereindrücke aufweisen (16./17. Jahrhundert). Eine weitere wichtige Gefäßform sind Dreibeintöpfe (im Gegensatz zum [[Grapen]] mit Flachboden und nun bandförmigen Henkeln) und Dreibeinpfannen, die gegenüber den spätmittelalterlichen Formen nun immer flacher werden, bis sie im 19. Jahrhundert mit dem Aufkommen geschlossener Herdstellen verschwinden. Eine jüngere Erscheinung ist die vor der Glasur aufgetragene helle Engobe.
 
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Glasierte Keramik lässt sich in verschiedene Warenarten differenzieren.
   
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*spätantike glasierte Ware
Mit dem Malhorn aufgebrachte Bemalung gehört in Südwestdeutschland erst in die Zeit seit etwa dem 17. Jahrhundert, wohingegen nördlich des Mains entsprechende Verzierung bereits länger üblich war. Hin und wieder ist Ritzverzierung unter einer monochromen Glasur anzutreffen. Durch das Zusammenlaufen der Glasur in den Vertiefungen erhält das Muster eine gesättigtere Farbe.
 
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*[[glasierte jüngere Drehscheibenware (SMa)]]
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*[[glasierte Hafnerware (FNz)]]
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**innen glasiert
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**außen glasiert
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**beidseitig glasiert
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**bemalte glasierte Hafnerware - Gemeint ist in der Regel eine Bemalung der glasierten Gefäßpartien, es gibt bei innen glasierter frühneuzeitlicher Keramik bisweilen auch eine tongrundige Bemalung auf der Außenseite, die in der Tradition älterer bemalter Waren steht. Häufig handelt es sich im [[Malhorndekor]].
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**[[Werra-Ware]]
   
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==Kulturgeschichtliche Einordnung==
==Einzelnachweise==
 
 
Glasierte Gefaße finden sich bereits seit dem 13. und 14. Jahrhundert vor allem am südlichen Oberrhein ([[Freiburg]]) und am Bodensee. In [[Ravensburg]] ist bereits Anfang des 12. Jahrhunderts mit gelber Glasur zu rechnen. Nach archivalischen Quellen muß glasierte Keramik in Freiburg im Breisgau schon vor 1284 hergestellt worden sein (Untermann/ Kaltwasser 1989). Die Funde der [[Freiburg, Latrine der Augustinereremiten|Augustinereremiten-Kloake in Freiburg]], wo in großer Zahl beidseitig grün glasierte, reduzierend gebrannte Henkelschüsseln auftreten, datieren jedoch noch früher, wobei dieser Horizont glasierter Keramik sonst in der Stadt nicht vorhanden ist (Kaltwasser 1995a).
*St. Kaltwasser, Die Keramikfunde. In: M. Untermann (Hrsg.). Die Latrine des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg im Breisgau. Materialh. Arch. Bad.-Württ. 31 (Stuttgart 1995) 21-48 (a).
 
*M. Untermann/St. Kaltwasser, Archäologische Untersuchungen in der Altstadt von Freiburg i. Br. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 1989, 299-303.
 
   
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Überhaupt hanelt es sich um einen regional und wohl auch sozial ausdifferenzierten Innovationsprozess, der sich über Jahrhunderte erstreckt. In STädten wie [[Ulm]], [[Nürnberg]] oder [[Bamberg]] spielt glasierte Keramik erst ab dem 15. Jahrhundert eine nennenswerte Rolle.
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Als Oberbegriff werden diese frühen glasierten Waren als [[glasierte jüngere Drehscheibenware (SMa)]] zusammen gefasst, doch wird man künftig wahrscheinlich regionale Traditionen und Stile differenzieren können.
   
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[[Kategorie:Keramik des 13. Jahrhunderts]]
 
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Zunächst wird die [[Glasur]] häufig auf die reduzierend gebrannte Keramik der jüngeren Drehscheibenware aufgebracht, wobei traditionelle Verzierungen wie Rollrädcheneindrücke einfach mit Glasur überdeckt werden. Seit dem 14. Jahrhundert wird eine [[Grundengobe]] verwendet, die die Farbwirkung der Glasur verstärkt.
[[Kategorie:Keramik des 14. Jahrhunderts]]
 
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[[Kategorie:Keramik des 15. Jahrhunderts]]
 
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[[Datei:Basel Petersberg 218056 1939-642 shmbam c2189 Kochtopf - Kopie.jpg|thumb|mini|right|[[Basel, Petersberg]]: Dreibeintopf, [[glasierte jüngere Drehscheibenware (SMa)]] (Foto: Historisches Museum Basel, Maurice Babey ([https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de CC BY SA 4.0]) via [https://www.hmb.ch/museen/sammlungsobjekte/einzelansicht/s/kochtopf/ Historisches Museum Basel])]]
[[Kategorie:Keramik des 16. Jahrhunderts]]
 
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[[Kategorie:Keramik des 17. Jahrhunderts]]
 
 
Erst während des 14./15. Jahrhunderts erfährt hellgebrannte, meist nur innen glasierte Keramik in Südwestdeutschland eine größere Verbreitung und setzt sich gegen die zumeist reduzierend, in ihrer Spätphase auch zunehmend oxydierend gebrannte jüngere Drehscheibenware durch.
[[Kategorie:Keramik des 18. Jahrhunderts]]
 
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[[Kategorie:Keramik des 19. Jahrhunderts]]
 
 
Gegenüber der mittelalterlichen Keramik ist bei der glasierten Keramik in der frühen Neuzeit eine Ausweitung des Formenspektrums festzustellen. Es treten nun auch [[Schale]]n, Pfannen und [[Teller]], aber auch eine ganze Reihe von Sonderformen für Hygiene (Nachttöpfe, Handwaschschüsseln), Medizin (Apothekergefäße, Salbtöpfchen) und Garten (Blumentöpfe, Vogeltränken) auf.
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==Literaturhinweise==
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*Ade-Rademacher/Mück 1989: D. Ade-Rademacher/S. Mück, "Mach Krueg, Haeffen, Kachel und Scherbe. Funde aus einer Ravensburger Hafnerwerkstatt vom 16. bis 19. Jahrhundert. Arch. Inf. Bad.-Württ. 11 (Stuttgart 1989).
 
*Kaltwasser 1995: St. Kaltwasser, Die Keramikfunde. In: M. Untermann (Hrsg.). Die Latrine des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg im Breisgau. Materialh. Arch. Bad.-Württ. 31 (Stuttgart 1995) 21-48 (a).
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*Stephan 1987: H.-G. Stephan, Die bemalte lrdenware der Renaissance in Mitteleuropa. Ausstrahlungen und Verbindungen der Produktionszentren im gesamteuropäischen Rahmen. Forschungsber. Bayer. Nationalmus. 12 (München 1987).
 
*Untermann/ Kaltwasser 1989: M. Untermann/St. Kaltwasser, Archäologische Untersuchungen in der Altstadt von Freiburg i. Br. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 1989, 299-303.
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[[Kategorie:Warenart]]

Aktuelle Version vom 4. Juni 2026, 11:29 Uhr

Achtung Grabung.jpgDieser Artikel ist noch unvollständig und erfordert ggf. Korrekturen und Ergänzungen.

Glasuren treten bereits in der römischen Antike auf, sin dabei aber so selten, dass mit Fehldatierungen zu rechnen ist. Während im Mittelmeerraum etwa bei der byzantinischen Keramik weiterlaufende Traditionen bis hin zur Majolica zu erkennen sind, bricht glasierte Keramik in Mitteleuropa erst einmal ab, ehe sie im Spaätmittelalter zunächst an der jüngeren Drehscheibenware wieder auftritt. Es handelt sich um Bleiglasuren. Mit Flußmitteln muss deren Schmelzpunkt so weit herabgesetzt werden, daß sich das Gefäß nicht verformt.

Frühe Glasuren sind in der Regel grün oder gelb. Sie werden zunächst an der Innenseite angebracht, da sie eher eine praktische Funktion (Abdichtung), als eine zierende Funktion besitzen. Hinzuweisen ist allerdings auf die frühen beidseitig glasierten Henkelschalen der Freiburger Latrine der Augustinereremiten. Der frühe - spätmittelalterliche - Bestand an glasierter Keramik kann als glasierte jüngere Drehscheibenware (SMa) von der glasierte Hafnerware (FNz) abgesetzt werden, da der Formenbestand wie auch die Funktion der Glasur etwas abweichend scheint.

Neben den Bleiglasuren sind in der Neuzeit unter den Oberbegriff der glasierten Keramik oft auch Gefäße mit Lehmglasur wie zum Beispiel die Bunzlauer Ware subsumiert. Neuzeitliche glasierte Keramik fällt oft unter den Begriff der "Bauernkeramik", wobei dieser auch für Steinzeug und Steingut verwendet wird und eher im kunsthandwerklichen, denn im wissenschaftlichen Kontext Verwendung findet.

Beidseitig glasierte Henkelschüsseln, Freiburg, Latrine der Augustinereremiten.

Im archäologischen Material - vor allem bei Oberflächenfunden - sind die Glasuren häufig bis auf geringe Reste abgeplatzt. Am ehesten haben sich Glasurreste noch in Kehlen oder Wandungsknick (etwa unterm Rand) erhalten.

Varianten

Glasierte Keramik lässt sich in verschiedene Warenarten differenzieren.

  • spätantike glasierte Ware
  • glasierte jüngere Drehscheibenware (SMa)
  • glasierte Hafnerware (FNz)
    • innen glasiert
    • außen glasiert
    • beidseitig glasiert
    • bemalte glasierte Hafnerware - Gemeint ist in der Regel eine Bemalung der glasierten Gefäßpartien, es gibt bei innen glasierter frühneuzeitlicher Keramik bisweilen auch eine tongrundige Bemalung auf der Außenseite, die in der Tradition älterer bemalter Waren steht. Häufig handelt es sich im Malhorndekor.
    • Werra-Ware

Kulturgeschichtliche Einordnung

Glasierte Gefaße finden sich bereits seit dem 13. und 14. Jahrhundert vor allem am südlichen Oberrhein (Freiburg) und am Bodensee. In Ravensburg ist bereits Anfang des 12. Jahrhunderts mit gelber Glasur zu rechnen. Nach archivalischen Quellen muß glasierte Keramik in Freiburg im Breisgau schon vor 1284 hergestellt worden sein (Untermann/ Kaltwasser 1989). Die Funde der Augustinereremiten-Kloake in Freiburg, wo in großer Zahl beidseitig grün glasierte, reduzierend gebrannte Henkelschüsseln auftreten, datieren jedoch noch früher, wobei dieser Horizont glasierter Keramik sonst in der Stadt nicht vorhanden ist (Kaltwasser 1995a).

Überhaupt hanelt es sich um einen regional und wohl auch sozial ausdifferenzierten Innovationsprozess, der sich über Jahrhunderte erstreckt. In STädten wie Ulm, Nürnberg oder Bamberg spielt glasierte Keramik erst ab dem 15. Jahrhundert eine nennenswerte Rolle. Als Oberbegriff werden diese frühen glasierten Waren als glasierte jüngere Drehscheibenware (SMa) zusammen gefasst, doch wird man künftig wahrscheinlich regionale Traditionen und Stile differenzieren können.


Zunächst wird die Glasur häufig auf die reduzierend gebrannte Keramik der jüngeren Drehscheibenware aufgebracht, wobei traditionelle Verzierungen wie Rollrädcheneindrücke einfach mit Glasur überdeckt werden. Seit dem 14. Jahrhundert wird eine Grundengobe verwendet, die die Farbwirkung der Glasur verstärkt.

Basel, Petersberg: Dreibeintopf, glasierte jüngere Drehscheibenware (SMa) (Foto: Historisches Museum Basel, Maurice Babey (CC BY SA 4.0) via Historisches Museum Basel)

Erst während des 14./15. Jahrhunderts erfährt hellgebrannte, meist nur innen glasierte Keramik in Südwestdeutschland eine größere Verbreitung und setzt sich gegen die zumeist reduzierend, in ihrer Spätphase auch zunehmend oxydierend gebrannte jüngere Drehscheibenware durch.

Gegenüber der mittelalterlichen Keramik ist bei der glasierten Keramik in der frühen Neuzeit eine Ausweitung des Formenspektrums festzustellen. Es treten nun auch Schalen, Pfannen und Teller, aber auch eine ganze Reihe von Sonderformen für Hygiene (Nachttöpfe, Handwaschschüsseln), Medizin (Apothekergefäße, Salbtöpfchen) und Garten (Blumentöpfe, Vogeltränken) auf.

Literaturhinweise

  • Ade-Rademacher/Mück 1989: D. Ade-Rademacher/S. Mück, "Mach Krueg, Haeffen, Kachel und Scherbe. Funde aus einer Ravensburger Hafnerwerkstatt vom 16. bis 19. Jahrhundert. Arch. Inf. Bad.-Württ. 11 (Stuttgart 1989).
  • Kaltwasser 1995: St. Kaltwasser, Die Keramikfunde. In: M. Untermann (Hrsg.). Die Latrine des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg im Breisgau. Materialh. Arch. Bad.-Württ. 31 (Stuttgart 1995) 21-48 (a).
  • Stephan 1987: H.-G. Stephan, Die bemalte lrdenware der Renaissance in Mitteleuropa. Ausstrahlungen und Verbindungen der Produktionszentren im gesamteuropäischen Rahmen. Forschungsber. Bayer. Nationalmus. 12 (München 1987).
  • Untermann/ Kaltwasser 1989: M. Untermann/St. Kaltwasser, Archäologische Untersuchungen in der Altstadt von Freiburg i. Br. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 1989, 299-303.